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Einleitungsrede ICOR Gründungskonferenz

(gehalten von Stefan Engel im Namen der International Preparatory Group, 6. Oktober 2010)
Liebe Genossinnen und Genossen,

im Namen der internationalen Vorbereitungsgruppe und als provisorischer Hauptkoordinator in der Anfangsphase des Vorbereitungsprozesses darf ich euch herzlich zur Gründungskonferenz der ICOR willkommen heißen.

Wir sind hier zusammengetroffen, um eine internationale Organisation zur Kooperation und zur Koordinierung der praktischen Tätigkeit revolutionärer Parteien und Organisationen in Parteiaufbau und Klassenkampf zu gründen.

67 Jahre nach der Auflösung der dritten Internationale wagen wir den Schritt hin zu einer neuen internationalen Organisation des revolutionären Proletariats und aller um ihre Befreiung kämpfenden unterdrückten Massen. Diese Initiative ist notwendig für die Höherentwicklung des Kampfs gegen den Weltimperialismus, der mit seinen neokolonialen Methoden die Ausbeutung und Unterdrückung der überwiegenden Zahl der abhängigen und unterdrückten Länder auf die Spitze getrieben hat.

Es soll und kann selbstverständlich nicht um die Wiederherstellung der Komintern gehen, die sich damals um den Kern der sozialistischen Sowjetunion als Bollwerk der proletarischen Weltrevolution formiert hatte.

Das Ziel ist, einen Beitrag zu leisten für die Neuformierung der internationalen revolutionären und Arbeiterbewegung unter Berücksichtigung der Lehren aus der Vergangenheit und der konkreten Bedingungen und Aufgaben der Gegenwart und Zukunft.

Die länderübergreifende Koordination der Tätigkeit von revolutionären Parteien und Organisationen soll damit verbunden sein, einen Beitrag zur Überwindung ihrer ideologisch-politischen Zersplitterung und Meinungsverschiedenheiten zu leisten, sich im Klassenkampf in den einzelnen Ländern gegenseitig zu unterstützen und zu einer international unübersehbaren Kraft zu werden.

Nach der tiefen Spaltung der internationalen kommunistischen Bewegung – ausgehend vom XX. Parteitag der KPdSU 1956 – hat die internationale revolutionäre und Arbeiterbewegung ihren tiefsten Rückschlag hinnehmen müssen.

Einstmals starke revolutionäre Arbeiterparteien sind zu reformistischen bürgerlichen Parteien verkommen, eine Reihe von revolutionären Organisationen haben sich heillos gespalten und zersplittert, die revolutionäre Arbeiterbewegung hat sich in verschiedenen Ländern geradezu marginalisiert und der reaktionäre Antikommunismus ist tief in die Massen eingedrungen.

Es hat lange gedauert, bis sich die standhaften revolutionären Parteien und Organisationen wieder bemüht haben, zunächst in erster Linie die Zusammenarbeit zu suchen, Meinungsverschiedenheiten sachlich zu klären und aufeinander zuzugehen.

Das geschah seit Ende der 1980er Jahre zunächst auf internationalen Seminaren, Konferenzen und in öffentlichen Debatten.

Jetzt ist in der internationalen und revolutionären Arbeiterbewegung die Situation heran gereift, einen bedeutenden Schritt vorwärts zu einer dauerhaft organisierten Zusammenarbeit in der Praxis zu machen.

Die ICOR-Gründung soll ein Meilenstein für die Vereinheitlichung der internationalen revolutionären und Arbeiterbewegung werden.

Der positive Erkenntnisprozess über die Notwendigkeit einer internationalen praktischen Zusammenarbeit revolutionärer Parteien und Organisationen wurde gefördert durch die objektive Entwicklung.

In den 1990er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des ehemaligen RGW, vollzog sich in der kapitalistischen Weltwirtschaft eine Neuorganisation der internationalen Produktion auf der Basis liberalisierter Märkte.

Auf der Basis der allgemeinen Tendenz der kapitalistischen Produktion zur Internationalisierung hob ein nie da gewesener länderübergreifender Konzentrationsprozess die kapitalistische Arbeitsteilung auf ein internationalisiertes Niveau.

Das führte zu tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen im Rahmen des imperialistischen Weltsystems. Mit den umfassenden Auswirkungen dieser Entwicklung wird die Menschheit erst nach und nach konfrontiert.

Die entscheidendsten waren die kriegerischen Aggressionen gegen Afghanistan und den Irak, die als „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ ausgegeben wurde und die Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008, die in Tiefe, Umfang und Verlauf in der Geschichte des Kapitalismus ihres Gleichen sucht.

Die Internationalisierung der Märkte, der Produktion und des Handels zog auch entsprechende Veränderungen im Befreiungskampf der Arbeiterklasse und der Volksmassen nach sich.

Neben dem Klassenkampf im nationalen Rahmen etablierte sich unübersehbar eine Tendenz zum internationalen Klassenkampf.

  • Haben nicht am 15. Februar 2003 fast 19 Millionen Menschen in weltweit über 660 Städten gleichzeitig gegen die bevorstehende Aggression des US-Imperialismus gegen den Irak demonstriert?

  • Hat sich nicht im Dezember 2009 in Kopenhagen ein international in 100 Ländern vernetzter aktiver Widerstand zur Rettung des Weltklimas gegen die rücksichtslose Umweltzerstörung der Imperialisten und der Monopole etabliert?

  • Hat nicht der länderübergreifende Streik der Hafenarbeiter im Jahre 2005 das europäische Gesetz zur Liberalisierung der Häfen zunichte gemacht?

  • Haben nicht die Länder Lateinamerikas in einem gemeinsamen Kampf die geplante US-dominierte südamerikanische Freihandelszone scheitern lassen?

  • Und sind nicht zuletzt inzwischen die konzernweiten und länderübergreifenden Streiks in Europa seit 2004 zu einer wiederholten Realität geworden?

Wie anders sollen sich die Massen gegen die international koordinierten Aktivitäten der internationalen Monopole und Imperialisten zur Wehr setzen, wenn sie nicht länderübergreifend ihren Klassenkampf koordinieren?

 

Mit dem Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 erlebte die Welt ein bisher einmaliges länderübergreifendes internationales Krisenmanagement der 20 größten Industrieländer und ihrer Monopole, die zusammen über 90 Prozent des Weltsozialprodukts bestreiten.

Um den Zusammenbruch des Weltfinanzsystems zu verhindern, einen unkontrollierten Zusammenbruch der Weltwirtschaft aufzufangen und vor allem um soziale Unruhen als Basis einer länderübergreifenden revolutionären Gärung potentiell abzuwenden, wurden weltweit bislang nicht weniger als 24 Billionen US-Dollar aufgewendet und die Staatshaushalte aller Länder rigoros geplündert.

Natürlich war das internationale Krisenmanagement der führenden internationalen Monopole und der imperialistischen Regierungen nur zeitweiliger Natur, bis es wieder von der gegenseitigen unerbittlichen Konkurrenz abgelöst wurde, um den jeweils eigenen Vorteil zu nutzen.

Zudem ist es eine unverrückbare Tatsache, dass das internationale Krisenmanagement die Gefahr von Staatsbankrotten erheblich verschärft, was Anfang 2010 zur Eurokrise geführt hat.

Ein solch gigantisches Krisenmanagement lässt sich auch nicht beliebig wiederholen, weil man die schier unermesslichen Krisenlasten nicht beliebig auf die breiten Massen abwälzen kann, ohne die allgemeine Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems für die Herrschenden nicht gefährlich zu verschärfen.

Überall auf der Welt haben die Proteste den Charakter des Kampfes gegen diese Abwälzung auf dem Rücken der Massen angenommen.

Aber das passiert vielfach noch unkoordiniert, spontan und weitgehend von Reformisten und Opportunisten geführt, was natürlich den Kämpfen die gesellschaftsverändernde Zielrichtung nimmt, ihren Erfolg schmälert bzw. sogar in die Niederlage führt.

Mit der zunehmenden Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems wird künftig auch eine Tendenz zu einer revolutionären Krise entstehen und wachsen.

Darauf müssen sich die breiten Massen, die Arbeiterklasse, die Bauern, die Studenten und die Frauen in ihrem Kampf, in ihrem Denken, Fühlen und Handeln vorbereiten.

Dazu brauchen sie den internationalen Zusammenschluss, der sie zu einer unüberwindlichen Kraft im Kampf gegen den Imperialismus und für eine sozialistische Gesellschaft macht.

Die Vereinigung des revolutionären Potentials auf der ganzen Welt ist eine objektive Notwendigkeit – auch für den Klassenkampf in den einzelnen Ländern.

Es ist an der Zeit, die Zersplitterung der revolutionären Kräfte zu überwinden und den Kampf gegen die Imperialisten zu bündeln!

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

Natürlich behält der Klassenkampf in den einzelnen Ländern den Vorrang.

Er ist die politische Basis des proletarischen Internationalismus, da die Macht der Kapitalisten und des Imperialismus nach wie vor nationalstaatlich organisiert bleibt.

Bei aller internationalen Verflechtung und Konzentration hat der Weltimperialismus keinen gemeinsamen Machtapparat.

Das ist seine grundlegende Schwäche, die er im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung nicht überwinden kann.

Die vereinigten revolutionären Kräfte müssen es verstehen, die zwischenimperialistischen Widersprüche für die Schwächung des imperialistischen Weltsystems auszunutzen und ihre eigenen Kräfte dabei stärken.

Dennoch wäre es einfältig zu fordern, die Arbeiterklasse und die breiten Massen eines jeden Landes sollten unabhängig voneinander und ohne internationalen Zusammenschluss mit ihrer eigenen Bourgeoisie fertig werden.

Ist die Strategie und Taktik des Kampfes gegen den internationalen „Terrorismus“ nicht die gemeinsame Plattform der Herrschenden, um – in welchem Land auch immer – jede Gefährdung ihrer Machtverhältnisse rigoros und so weit wie möglich auch gemeinsam nieder zu werfen?

Mit dem Begriff einer „Weltinnenpolitik“ rechtfertigen die Imperialisten, sich in der ganzen Welt in die Verhältnisse aller Länder einzumischen und notfalls mit Waffengewalt gegen revolutionäre Erhebungen vorzugehen.

In einer solchen strategischen Ausgangslage nur auf die Unabhängigkeit des revolutionären Kampfes in den jeweiligen Ländern zu pochen, ohne zugleich den länderübergreifenden Zusammenschluss zu suchen, wäre eine sichere Weichenstellung in die Niederlage.

Haben nicht Marx und Engels die Ursache der Niederlage der „Pariser Kommune“ darin gesehen, dass das internationale Proletariat den Klassenbrüdern in Paris nicht mit revolutionären Aktionen in ihren eigenen Ländern zu Hilfe gekommen ist und es stattdessen zugelassen hat, dass sich die Bourgeoisie zur letztlich überlegenen Konterrevolution formieren konnte?

Ist nicht das Fortschreiten der internationalen proletarischen Revolution nach der Oktoberrevolution 1917 gescheitert, konnte nicht die Konterrevolution die verschiedenen revolutionären Aufstände und Kämpfe im Blut ersticken, weil die subjektiven Voraussetzungen in den einzelnen imperialistischen Ländern – namentlich in Deutschland – trotz einer revolutionären Krise von 1918 bis 1923 nicht ausgereift waren?

Es darf nicht noch einmal passieren, dass revolutionäre Kräfte, revolutionäre Aufstände und heldenhafte Befreiungsbewegungen an ihrer nationalen Isoliertheit, an der mangelnden internationalen Solidarität und an einer internationalen Konterrevolution erstickt werden können!

Darum geht es bei der Schaffung der internationalen Organisation zur Koordinierung der praktischen Tätigkeit revolutionärer Parteien und Organisationen:

Die beschleunigte Herausbildung der subjektiven Voraussetzungen für einen internationalen revolutionären Befreiungskampf zur Überwindung des Imperialismus!

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

Im August 2007 haben 21 Organisationen in einer Resolution beschlossen, eine internationale Organisation der praktischen Zusammenarbeit der revolutionären Parteien und Organisationen zu schaffen.

Seither haben wir in einem systematischen dezentralen Diskussionsprozess in Amerika, Asien, Afrika und Europa eine Vielzahl von Organisationen in die Diskussion darum einbezogen.

Über 70 haben sich aktiv und konstruktiv daran beteiligt und verstehen sich selbst als Bestandteil dieses Gründungsprozesses, auch wenn nicht alle anwesend sein können.

Weitere Organisationen haben sich an der Diskussion beteiligt, eine wohlwollende Meinung dazu eingenommen, konnten sich aber noch nicht dazu durchringen, sich selbst aktiv an diesem Prozess zur Schaffung der internationalen Organisation zu beteiligen.

Die ICOR soll offen sein für die Zusammenarbeit mit anderen fortschrittlichen, demokratischen und revolutionären Zusammenschlüssen und darf nicht den Fehler machen, sich einseitig nur in Konkurrenz zu ihnen zu sehen.

Natürlich müssen wir auch weiterhin gegenüber Kräften wachsam sein, die den revolutionären Weg unterminieren und sich der Einheit der revolutionären Kräfte in der Welt entgegenstellen, wenn wir heute eine höhere, organisierte Form des proletarischen Internationalismus in Angriff nehmen.

Das ist aber etwas anderes als skeptizistischer Argwohn untereinander und kleinliches Gezänk in untergeordneten Fragen, das uns unnötig entzweit und unsere revolutionäre Gemeinsamkeit schwächt.

Ereignisse von welthistorischer Bedeutung brauchen ihre Zeit zu reifen:

  • Dazu gehört ein Prozess der Vertrauensbildung von Organisationen, die bisher noch nicht zusammengearbeitet haben.

  • Dazu gehört ein Prozess der praktischen Zusammenarbeit von sehr unterschiedlichen Organisationen, die in sehr unterschiedlichen Bedingungen in ihren einzelnen Ländern kämpfen.

  • Dazu gehört nicht zuletzt der geduldige ideologisch-politische Austausch, die einmütige kritische und selbstkritische Diskussion und Vereinheitlichung.

Dennoch sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir zur Gründung dieser internationalen Organisationen schreiten können, um den Prozess ihres Aufbaus zu beschleunigen, zu verbessern und auch in einer neuen Qualität voranzutreiben.

Eine ganze Reihe Bedenken mussten ausgeräumt werden, um zu dem heutigen Gründungsprozess zu kommen.

Eines der wichtigsten war, dass sich verschiedene Organisationen zum heutigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage sehen, sich an internationalen Aktivitäten zu beteiligen.

Dieser ernst zu nehmende Einwand ist bei aller materiellen, ideologischen oder auch finanziellen Einschränkung der einzelnen Organisationen dennoch einseitig, weil er nicht berücksichtigt, dass gerade der internationale Zusammenschluss vielen Organisationen einen außerordentlichen Nutzen bringt.

Sie können nunmehr auf die vielfältigen Erfahrungen anderer Organisationen zurückzugreifen, unmittelbare materielle Hilfe in Anspruch nehmen und auf diese Art und Weise die eigene Schwäche auch beschleunigt überwinden.

Andere Bedenken bezogen sich auf die Frage, wie es gelingen kann, einen solchen Zusammenschluss herbeizuführen, wenn noch nicht alle wesentlichen ideologisch-politischen Fragen vereinheitlicht sind.

Bei aller Notwendigkeit der schrittweisen ideologisch-politischen Vereinigung, ist eine gemeinsame Praxis, ein gemeinsamer Kampf in einigen wesentlichen Fragen nicht davon abhängig, in allen wesentlichen Fragen einig zu sein.

Haben wir nicht alle vielfältige Erfahrungen in der Aktionseinheits- und Einheitsfrontpolitik in unserer revolutionären Praxis?

Fragen wir die verschiedenen Teilnehmer an antifaschistischen Demonstrationen und Aktionen immer jeweils nach ihren unterschiedlichen weltanschaulichen und politischen Vorstellungen, bevor wir in der Praxis zusammenarbeiten?

Kein Streik im Betrieb würde zu Stande kommen, wenn es nicht gelänge, unter Zurückstellung von weltanschaulichen und politischen Meinungsverschiedenheiten im Kampf zur Durchsetzung der jeweiligen ökonomischen und politischen Forderungen zusammen zu kämpfen.

Umgekehrt hilft erfahrungsgemäß die gemeinsame revolutionäre Praxis bei der Überwindung ideologisch-politischer Meinungsverschiedenheiten.

Einheit und Kampf der Gegensätze ist ein dialektisches Prinzip, das jeder Revolutionär beherrschen muss, will er nicht in der Selbstisolierung verkümmern.

Die am ICOR-Prozess beteiligten Organisationen sind sich bei allen Meinungsverschiedenheiten über weltanschauliche Fragen oder bei der politischen Analyse und programmatischen Fragen doch in wesentlichen Grundpositionen einig.

Es besteht Einheit darüber, dass dieses imperialistische Weltsystem die Wurzel der ungelösten Probleme der Menschheit ist; dass nur die Überwindung des imperialistischen Weltsystems auch die Menschheitsprobleme lösen kann.

Es ist die gemeinsame Einsicht, dass das auf einem revolutionären Wege passieren muss; die alten Mächte müssen gestürzt, ihre Strukturen durch Strukturen der Diktatur des Proletariats und der Volksmacht ersetzt werden.

In unseren Dokumenten müssen wir diese grundlegende Einheit bestimmen, ohne aus den Augen zu verlieren, dass es natürlich auch noch einen bestimmten Prozentsatz ungeklärter Fragen, ideologisch-politischer Meinungsverschiedenheiten gibt, die wir heute zurückstellen müssen und erst im weiteren Prozess des Aufbaus der ICOR Schritt für Schritt klären können.

Wir haben es auch mit völlig unterschiedlichen Organisationen zu tun:

Mit reifen, seit Jahrzehnten erfahrenen revolutionären Parteien mit Masseneinfluss und Erfahrungen im revolutionären Klassenkampf.

Mit Parteien, die Erfahrungen in der illegalen Arbeit der Revolutionäre haben.

Mit großen Parteien, mit kleinen Parteien.

Mit Parteien aus den ehemals sozialistischen Ländern, die Erfahrung mit der Entartung der ehemals sozialistischen Länder haben unter der Bedingung der Restauration des Kapitalismus, die die Untauglichkeit des Revisionismus erfahren haben.

Mit Parteien, die neu entstanden sind, auf der Grundlage der Erkenntnis, dass der revolutionäre Klassenkampf ohne revolutionäre Avantgarde nicht siegen kann.

Nicht zuletzt unterscheiden sich die revolutionären Parteien und Organisationen durch ideologisch-politische Meinungsverschiedenheiten, die ihre speziellen weltanschaulichen, historischen oder sozial-ökonomischen Wurzeln haben mögen.

Es ist der gegenseitige Respekt für die ideologisch-politischen Meinungsunterschiede, die unterschiedlichen Bedingungen, Voraussetzungen, Erfahrungen, aber auch Qualität der Arbeit, den wir aufbringen müssen, wenn wir auf Augenhöhe zusammenkommen wollen, wenn wir eine gemeinsame internationale Kraft werden wollen.

Respektvoll auf Augenhöhe zusammenarbeiten – das ist ohne ein starkes revolutionäres Zentrum, wie es einstmals die sozialistische Sowjetunion war, die einzige Chance für eine revolutionäre Vereinigung, in der es gelingen kann, eine dem Imperialismus überlegene Kraft zu werden.

Das kann selbstredend durch einen Gründungsakt alleine nicht passieren.

Er kann nur das Signal beinhalten, dass sich weitere revolutionäre Organisationen dieser wichtigen Gemeinsamkeit anschließen und die Idee der internationalen organisierten Zusammenarbeit Wirklichkeit werden lassen.

Der Prozess der Zusammenarbeit in einigen wesentlichen Fragen bis hin zur Zusammenarbeit in allen wesentlichen Fragen ist steinig, langwierig, bedarf eines großen gegenseitigen Vertrauens und darf nicht unterschätzt werden.

Er wird auch attackiert werden vom Klassenfeind, der natürlich die internationalen Kommunikationswege und auch Verkehrswege kontrolliert und schon allein dadurch einen immensen Einfluss auf unsere Zusammenarbeit nehmen kann.

Bei jedem Treffen müssen Visa-Anträge gestellt, bei jeder E-mail muss man die von den Herrschenden kontrollierten Wege des Internets, des elektronischen Postverkehrs bzw. des Telefons beschreiten.

Der sogenannte internationale Kampf gegen den „Terrorismus“ ist vor allem dazu da, die revolutionäre Tätigkeit zu behindern.

Nicht zu unterschätzen sind auch die eingeschränkten finanziellen Mittel und organisatorischen Kräfte, die viele Organisationen vor allem aus Afrika, Lateinamerika oder Asien hindern, an solchen Treffen teilzunehmen.

Trotz alledem haben wir es geschafft, heute diese Gründungsversammlung vorzubereiten und tatsächlich in dieser Runde zusammenzutreffen.

Der Hauptteil des ICOR-Aufbaus steht aber noch vor uns.

Wir müssen vor allem kontinental und regional die verschiedensten revolutionären Parteien und Organisationen zusammenschließen und eine tatsächliche praktische Zusammenarbeit in Parteiaufbau und Klassenkampf organisieren.

Das wird die Hauptaufgabe der kontinentalen und regionalen Koordinierungskomitees sein, wofür es qualifizierter Genossinnen und Genossen bedarf, aber auch der Bereitschaft aller Beteiligten, diese Zusammenarbeit in solidarischen Geist mit Leben zu füllen.

Wir werden sicherlich nicht nur Erfolge haben, sondern auch Niederlagen erleiden, vielleicht auch Rückschläge und Enttäuschungen hinnehmen müssen.

Das liegt in der Natur der Sache, in den gegebenen Kräfteverhältnissen.

Mit unserem revolutionären Enthusiasmus, unserer prinzipiellen Überzeugung und unserer unerschütterlichen Beharrlichkeit müssen wir schrittweise mit den Problemen in der Zusammenarbeit fertig werden und uns gegenseitig dabei unterstützen.

Wir müssen ein neues Gefühl der Gemeinsamkeit entwickeln.

Das ist eine neue Stufe des proletarischen Internationalismus, indem man sich nicht nur für sich, für den Klassenkampf und Parteiaufbau im eigenen Land zuständig fühlt, sondern gleichermaßen auch für den in Afrika, in Amerika, in Asien, in Europa, in Australien, in Ländern, die man niemals betreten hat und von denen man vielleicht nur wenig Ahnung hat.

Das alles erfordert einen Selbstveränderungsprozess aller Beteiligten, in dem wir mit alten Gewohnheiten brechen müssen, ohne in Prinzipienlosigkeit und Opportunismus oder Sektierertum zu verfallen.

Auch diesen Prozess sollten wir gemeinsam beraten, auswerten und kritisch und selbstkritisch immer wieder Schlussfolgerungen ziehen.

Das muss mit einer proletarischen Streitkultur geschehen.

Wir können natürlich aufgrund der heutigen, insgesamt noch relativ schwach entwickelten Parteien und Organisationen die internationale Arbeit nicht über die Maßen entfalten, ohne die eigenen Kräfte über zu beanspruchen.

Deshalb müssen wir auch das Prinzip der Konzentration der Kräfte beherrschen und unsere Vorhaben in einem schrittweisen und systematischen Prozess erweitern.

Schon bei dieser Gründungskonferenz müssen wir uns notwendigerweise beschränken auf die Diskussionen und Beschlussfassung der Gründungsdokumente, auf den Gründungsakt und auch auf den Einsatz der notwendigen Kader für die internationalen Strukturen.

Es hat keinen Zweck, allzu viele Resolutionen auf den Weg zu bringen, die wir unter den heutigen Bedingungen noch gar nicht mit Inhalt füllen könnten.

Die Trennung von Theorie und Praxis ist eines der großen Laster kleinbürgerlicher Politiker, die gerne viel Papier und Resolutionen von sich geben, aber nicht in der Lage sind, diese auch nur im Ansatz in die Praxis umzusetzen.

Diese Unart sollten wir von Anfang an gar nicht einreißen lassen und das, was wir uns vornehmen, auch wirklich durchführen!

Von diesem Prinzip sollten wir uns von Anfang an leiten lassen.

Von der Einheit von Wort und Tat geht allemal die größte Überzeugungskraft aus.

Die Konzentration der Kräfte wird uns dabei helfen, uns realistische Aufgaben zu stellen, die wir dann auch mit aller Konsequenz, Disziplin und Zuverlässigkeit durchführen wollen.

Die Perspektiven der ICOR sind gut und ihr Potenzial ist unerschöpflich.

Es kommt darauf, diese Perspektive mit Inhalt zu füllen.

Dieses gemeinsame Anliegen soll den Geist dieser Gründungskonferenz erfüllen.

Vorwärts mit der ICOR!

Nieder mit dem imperialistischen Weltsystem!

Vorwärts zum Sozialismus!

Hiermit ist die Gründungskonferenz eröffnet.

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