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Massenerhebungen für Frauenrechte

Kommunistische Partei Indiens (Marxisten-Leninisten) CPI (ML), 6. Januar 2013

 

Die zahlreichen Massenerhebungen der letzten Zeit in verschiedenen Teilen des Landes, insbesondere die bisher einmalige Mobilisierung von Studenten, Jugendlichen, Frauen und anderen Teilen des Volkes auf den Straßen von Delhi nach der schrecklichen Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau am 16. Dezember, dauern an, nachdem sie am 28. Dezember in einem Krankenhaus Singapur ihren Verletzungen erlegen war, wo sie hingebracht wurde, um eine bessere Behandlung zu ermöglichen. Das sind Symptome eines wachsenden demokratischen Bewusstseins gegen die zunehmenden Grausamkeiten gegen Frauen und sollte begrüßt werden. In Indien, wie in anderen Ländern die eine sehr schnelle neokoloniale Entwicklung erleben, obwohl eine kapitalistische Entwicklung stattfindet, wurde bisher mit dem feudalen System nicht restlos abgerechnet. Stattdessen werden die kapitalistischen Veränderungen über die alte Gesellschaft über gestülpt. Das führt dazu, dass die feudale Kultur und Werte in diesen Ländern fast unverändert bleiben. Folglich spielt das Patriarchat weiterhin eine bedeutende Rolle bei der Versklavung der Frauen. Gleichzeitig wird sehr schnell fast alles zur Ware, einschließlich die menschlichen Beziehungen und die Frauen im allgemeinen. Das führt dazu, dass Gräueltaten gegen Kinder, Mädchen und Frauen weiter zunehmen.

Zehntausende Studenten, Jugendliche, Frauen und alle fortschrittlichen Teile des Volkes gehen auf die Straßen von Delhi und versuchen die Gegenden der Elite, die den herrschenden Klassen vorbehalten werden, zu besetzen und protestieren gegen den Angriff gegen die junge Frau. Das hat die herrschende Klasse in Panik versetzt. Das wurde auf barbarische Weise offensichtlich, als die Protestierenden hunderte Male niedergeknüppelt und mit Wasserkanonen und Reizgas angegriffen wurden, um diese Gegenden zu räumen. Diese brutalen Angriffe haben jedoch bewirkt, dass die Protestdemonstrationen in Jantar Mantar (Regierungssitz) und in vielen Landesteilen weitergeführt wurden. Forderungen nach der Todesstrafe und dem Kastrieren der Täter werden in aller Schärfe erhoben, einschließlich der Forderung nach schnellen Urteilen bei Vergewaltigung durch Schnellgerichte.

Panisch aufgrund der wachsenden Protesten haben sogar Regierungsmitglieder auf Zentral- und Landesebene und viele Teile der herrschenden Elite positiv auf diese Forderungen reagiert. Es ist eine positive Wirkung dieser Proteste, dass sie die Autoritäten gezwungen haben, über dringend notwendige Maßnahmen für schnelle Gerichtsverfahren bei Angriffen auf Frauen und für eine maximale Bestrafung der Täter zu sprechen. Eine weitere positive Auswirkung dieser Proteste ist, dass die Zentral- und Landesregierung zumindest damit begonnen haben, über viele Maßnahmen zum Schutz der Frauen auf den Straßen und an der Arbeitsstelle zu sprechen. Der Druck muss weiter erhöht und die Massenbewegung fortgesetzt werden, damit die Versprechen die heute gemacht werden auch Wirklichkeit werden.

Aber das berührt alles nur die Peripherie dieser Frage. Es ist die weiterhin starke patriarchalische Denkweise in der Gesellschaft die sich in den Aussagen vieler Führer der elitären politischen Klasse, der Kasten-religiösen Führer, usw. widerspiegelt, wenn sie behaupten, dass die Gründe für die zunehmenden Fälle von Vergewaltigung ihren Grund haben in der Art in der sich die Frauen kleiden, mit Männern zusammentreffen, alleine oder 'spät' ausgehen, usw. Deshalb versuchen diese elitären Führer jetzt die Schranken der weiblichen Freiheit zu definieren und sie behaupten, die Frauen seien selber Schuld, wenn sie angegriffen werden. Deshalb erheben jetzt die Demonstrantinnen und Demonstranten auf den Straße die Losung: „Es ist nicht die Kleidung, sondern es ist euer Denken, das sich ändern muss“.

Wie die religiösen Fundamentalisten, möchten sie den Frauen Kleidervorschriften aufzwingen.

Es geschehen zwei Dinge, die sich scheinbar widersprechen, sich jedoch gegenseitig ergänzen.

Auf der einen Seite versuchen die patriarchalischen Kräfte, einschließlich der politischen Führer in unserem Land, die Kasten-religiösen Führer und andere „Erwecker“-Kräfte eine Kleidervorschrift für Frauen durchzusetzen und sie an ihre Küchen und Schlafzimmer zu fesseln.

In Übereinstimmung mit dem Manusmriti, Shariaat und anderen religiösen Diktaten, behaupten sie faktisch, dass Frauen keine Freiheit oder Gleichberechtigung mit Männern verdienen.

Auf der anderen Seite wird auf allen Gebieten die imperialistische Kultur rücksichtslos durchgesetzt durch die Medien, in Filmen und vielen Büchern, zusammen mit Modevorführungen, einer großen Vielfalt von Modewaren und Designerkleidung, usw.

Alle diese Bestandteile einer dekadenten Kultur, Kleidervorschriften, soziale Verhaltensvorschriften usw. werden weit verbreitet und durch die Männer-dominierte Gesellschaft aufgezwungen.

Obwohl scheinbar antagonistisch, ergänzen sich die patriarchalischen und die neoliberalen Angriffe, mit dem Ziel die Versklavung der Frauen durchzusetzen.

Obwohl die ökonomische Basis schnellen Veränderungen durch Reformen unterliegt , die unter den Neokolonialismus von oben durchgesetzt wurden, hat der Überbau in unserem Land, einschließlich der Einfluss der feudalen Kultur mit Kasten-religiösen Regeln und Bestimmungen, sich nicht viel verändert.

Ohne kämpferische Bewegungen, die in Übereinstimmung mit den fortschrittlichen Seiten der Renaissance-Bewegungen und mit den revolutionären Erfordernissen der gegenwärtigen Lage stehen , ohne Veränderungen im Denkprozess und in der Kultur, werden die feudalen und Kasten-religiösen Einflüssen, die zur Ungleichheit und Versklavung der Frauen führen, nicht beseitigt werden.

Der Kampf um Sofortreformen und um grundlegende Veränderungen im soziale Umgang und in der Kultur sollten zusammen vorwärts geführt werden.

Laßt uns die gegenwärtigen Erhebungen auf den Straßen am Leben erhalten und die Kämpfe unvermindert fortsetzen, damit die Befreiung der Frau ein lebendiger Bestandteil der sozialen Revolution bleibt.

Red Star Weekly, 6. Januar 2013

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