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Der Antikommunismus und Stalins Kampf gegen Opportunismus und Sektierertum

Dieter Klauth, MLPD Rote-Fahne-Fachredaktion Geschichte, Beitrag Nr. A23 für die „Internationale Internetdiskussion zur Bedeutung 100 Jahre Oktoberrevolution“, 18. Oktober 2017

 

Opportunismus und Sektierertum können nicht verstanden werden, ohne ihre materielle Grundlage zu erfassen. Bei der Analyse des Verrats der großen Mehrheit der sozialistischen Parteien vor dem I. Weltkrieg und ihrem Übergang zum Sozialchauvinismus zeigte Lenin auf, dass im Zeitalter des Imperialismus das Aufkommen des Opportunismus eine Gesetzmäßigkeit ist. In Russland kam er in der Politik der Menschewiki zum Ausdruck, die die Arbeiterbewegung der imperialistischen Bourgeoisie unterordnen wollten und – wie die SPD-Führung in Deutschland - bereit waren, ihre Kriegsführung zu unterstützen

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Nicht nur der Rechtsopportunismus, auch das scheinbar linke Sektierertum war extrem massenfeindlich. In Trotzkis Vorstellungen sollte die Oktoberrevolution ohne oder gar gegen die Bauernmassen – 80 Prozent der damaligen Bevölkerung! – vollzogen werden, er prognostizierte, das Proletariat werde „feindlich zusammenstoßen nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie … sondern auch mit den breiten Massen des Bauerntums“.1 Für die Arbeiterklasse sah er nach dem Sieg in verstaatlichten Gewerkschaften eine Militarisierung der Arbeit vor. Materielle Grundlage war bei ihm der kleinbürgerliche Führungsanspruch, der sich über die Massen erheben wollte.

Die Ablehnung der Revolution durch die Rechtsopportunisten ging mit der Weiterführung des Krieges und der Ablehnung der Enteignung der Kapitalisten und Großgrundbesitzer einher. Da sie in der Folge als offene Gegner der Sowjetmacht auftraten, fällt es dem Antikommunismus schwer, Stalins Kampf gegen die menschewistische Politik wirksam anzugreifen. Natürlich wird beklagt, dass Russland 1917 nicht bei der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution stehen blieb und ausgemalt, welch’ wunderbare Entwicklung das Land dann hätte nehmen können. Natürlich wird auch das Verbot und die Unterdrückung der Menschewiki angeprangert, die erfolgte, als sie die Konterrevolution organisierten und die Imperialisten gegen die Sowjetmacht zu Hilfe riefen. Aber den Hauptangriffspunkt bildet doch die für die Bourgeoisie ungeheuerliche Tatsache, dass Stalin nach Lenins frühem Tod die Revolution und den Aufbau des Sozialismus verteidigte und dabei den Kampf gegen Opportunismus und Sektierertum weiterführte!

 

Dies richtete sich natürlich auch personell gegen die Träger und Hauptexponenten des Opportunismus – namentlich gegen Trotzki. 1924 zeigte Stalin im Vorwort des Buches „Auf dem Wege zum Oktober“ auf, dass dessen schädliche Ansichten eine Fortsetzung der bereits 1905, dann während des I. Weltkriegs und schließlich in der Oktoberrevolution selbst vertretenen Theorie der „permanenten Revolution“ waren. Diese beinhaltete die Ablehnung des Bündnisses mit den Bauern, die Ablehnung der Diktatur des Proletariats als Ausdruck dieses Bündnisses und vor allem die Behauptung, der Sozialismus könne nicht in einem einzelnen Land und auf keinen Fall im rückständigen Russland, aufgebaut werden. Stalin kennzeichnete Trotzkis Opportunismus zurecht als „Abart des Menschewismus“.

Mit seiner 1927 auch im Ausland verbreiteten Stellungnahme, die nach dem II. Weltkrieg in die Ausgabe der Werke aufgenommen wurde, trat Stalin erstmals als maßgeblicher Führer hervor, der an der Spitze der internationalen kommunistischen Bewegung stand. In der Erstveröffentlichung ist, anders als im Text der Werkausgabe, natürlich vom „Genossen Trotzki“ die Rede und es war die große Stärke Stalins, dass er die inhaltliche Auseinandersetzung sowohl mit Trotzki wie mit anderen Vertretern opportunistischer Abweichungen über Jahre geduldig und prinzipiell führte. Politisch geschlagen sanken die Oppositionellen schließlich zu offenen Konterrevolutionären herab, verlegten sich auf Terror und Sabotage und suchten die Zusammenarbeit mit dem imperialistischen Ausland. Entsprechend musste von der solidarischen Auseinandersetzung zu ihrer schonungslosen Bekämpfung übergegangen werden.

 

Der moderne Antikommunismus macht daraus heute den alleinigen Inhalt und erklärt den Kampf Stalins gegen opportunistische Abweichungen zu einem persönlichem Machtkampf. 1995 kam dazu der österreichische Universitätsprofessor Anton Neumayer in seinem Werk „Krankheiten großer Diktatoren“ auf die Oktoberrevolution zurück: Er bezeichnete als Stalins Trauma, dass dieser in ihr keine Rolle gespielt habe und „in den Ereignissen jener Tage unterging … Erst Ende 1929 fühlte er sich stark genug, an die Überwindung dieses Traumas schreiten zu können, indem er eine großangelegte Geschichtsfälschung in Auftrag gab. … Auf diese Weise war es unter anderem auch leicht, die letztlich bei der kommunistischen Machtergreifung dominierende Figur Leo Trotzkis aus dem Gedächtnis des Volkes zu streichen … Neben der brutalen Härte, dem Fehlen jeder Spur von Mitgefühl und der Geringschätzung eines Menschenlebens zeigte sich schon jetzt seine sadistische Neigung, Opponenten öffentlich zu demütigen und zu erniedrigen.“2 Dies ist der bürgerlichen Wissenschaft letzter Schluss: der Kampf gegen Opportunismus und Sektierertum und gegen die innere und äußere Konterrevolution stellen nicht anderes dar als die Verbrechen eines Mannes, der – so der weltberühmte Psychoanalytiker Erich Fromm – ein „klinischer Fall von nichtsexuellem Sadismus“ war.

 

Aus der Geschichte der Klassenkämpfe eine Krankengeschichte psychisch Gestörter zu machen, ist im Grunde der hilflose Versuch, die Massen vom revolutionären Kampf gegen den Kapitalismus abzuschrecken und abzuhalten. Der Dämonisierung Stalins, der Oktoberrevolution und des sozialistischen Aufbaus entgegen zu treten, gehört dagegen zu den Aufgaben aller Revolutionäre, die für einen neuen Anlauf zum Sozialismus die Massen gewinnen wollen! Wenn wir Stalin verteidigen, dann verteidigen wir insbesondere den Marxismus-Leninismus, an dessen Weiterentwicklung Stalin unwiderruflich beteiligt war. Wir tun das nicht unkritisch, weil wir aus den offensichtlichen Fehlern lernen müssen für die Gestaltung der künftigen sozialistischen Gesellschaft und die Führung des Klassenkampfs im Sozialismus.

 

Dieter Klauth, Rote-Fahne-Fachredaktion Geschichte

1 zitiert in: J. Stalin – Auf dem Wege zum Oktober, Wien 1927, S. 11

2 Anton Neumayer – „Krankheiten großer Diktatoren“, Lizenzausgabe für Marix Verlag, Wiesbaden 2007, S.273-275

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