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Buchbesprechung: Jeschow vs. Stalin 1. Teil

CPA-ML VANGUARD Australien, Kommentar Nr. C03 für die „Internationale Internetdiskussion zur Bedeutung 100 Jahre Oktoberrevolution“, 24. September 2017


Buchbesprechung von Grover Furrs Buch "Yezhov vs. Stalin"

Josef Stalin, der Mann, der den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR führte und die Welt vor dem Hitler-Faschismus rettete, ist für viele Menschen ein übler, blutrünstiger Diktator und Tyrann. Überall hatten Antikommunisten ihren Spaß daran, die Menschen so von Neugier oder positiven Gefühlen für den Kommunismus und die kommunistischen Parteien abzuhalten.

Zweifellos war dies weitgehend erfolgreich und gewann an Glaubwürdigkeit, weil die lautstärksten, schlimmsten Kritiken unter dem Deckmantel des Marxismus und Marxismus-Leninismus geführt wurden.

Trotzki sprach als „Marxist“, als er auf übelste Weise Stalin angriff, weil dieser an der Theorie des „Aufbaus des Sozialismus in einem Lande“ festhielt, weil er „Demokratie“ (Fraktionismus) in der Partei nicht zuließ und weil er eine bürokratische Kaste förderte, die den Arbeitern die Macht wegnahm. Nach Stalins Tod wurden die trotzkistischen Angriffe zum größten Teil von Chruschtschow, dem sowjetischen Führer und Nachfolger Stalins, bekräftigt. Chruschtschow hielt auf dem 20. sowjetischen Parteitag 1956 eine Geheimrede, drei Jahre nach Stalins Tod. Obwohl der Inhalt vor der Masse der sowjetischen Parteimitglieder geheim gehalten wurde, sickerte er zu einer kapitalistischen US-Zeitung durch und löste in der internationalen kommunistischen Bewegung Erschütterungen aus. Die Rede beschuldigte Stalin der Förderung eines Personenkults, hinter dem er zehntausende von treuen Bolschewiki grausam unterdrückte und tötete.

Antikommunisten konnten ihre Schadenfreude nicht verbergen. Viele Kommunisten waren so entmutigt und enttäuscht, dass sie sich von der revolutionären Aktivität zurückzogen oder die Revision der marxistischen Theorie annahmen, die Chruschtschow als Korrektur zum „stalinistischen Dogma“ ausgab. Reaktionäre Autoren wie Robert Conquest stürzten sich auf die Geheimrede und produzierten „Geschichten“, die als „Tatsache“ beweisen sollten, dass Stalin verantwortlich war für Massenunterdrückungen, bei denen etwa 20 Millionen Sowjetbürger ermordet wurden.

Aber: Die Bewertung Stalins war keineswegs einseitig. Trotzkis Schriften waren zu Lebzeiten Stalins immer umstritten. Nach dem 20. Parteitag wurde Chruschtschow von den echten Marxisten-Leninisten in allen Parteien kritisiert. Eine große Hilfe leisteten die chinesischen und albanischen Parteien durch ihre Verteidigung Stalins.

Dennoch wurde widerwillig akzeptiert, dass Stalin ernsthafte Fehler begangen hatte. Weder die Albaner noch die Chinesen hatten Zugang zu den sowjetischen Aufzeichnungen, um die Richtigkeit der Verbrechen, die Chruschtschow Stalin zuschrieb, zu beurteilen. Unter seine Fehler fallen Abweichungen vom dialektischen Denken; die Verwischung der zwei Arten von Widersprüchen (zwischen uns und dem Feind und im Volk); die Verurteilung unschuldiger Menschen wegen konspirativer und konterrevolutionärer Aktivitäten und bestimmte Verletzungen des demokratischen Zentralismus innerhalb seiner eigenen Partei und der brüderlichen Beziehungen zwischen der sowjetischen Partei und anderen kommunistischen Parteien.

Erst in relativ jüngster Zeit war es möglich, Zugang zu bekommen zu Archivmaterial über die Sowjetunion, das früher nicht freigegeben war.

Im Großen und Ganzen haben Akademiker, die an der Geschichte der Sowjetzeit arbeiten, es abgelehnt, dieses Archivmaterial einzusehen. Die Dämonisierung Stalins wurde so weit und so erfolgreich verbreitet, dass es sich nicht lohnte, ihren akademischen Ruf zu riskieren, um vorzuschlagen, dass eine unterschiedliche Bewertung möglich wäre.

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