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Rolle Lenins und des Leninismus in der Oktoberrevolution

Bolschewistische Partei (Nordkurdistan/Türkei), BP (NK/T), Beitrag Nr. A01 für die „Internationale Internetdiskussion zur Bedeutung 100 Jahre Oktoberrevolution“

Beitrag: Bolşevik Parti (KuzeyKürdistan/Türkiye), BP(KK/T)

für die „Internationale Internetdiskussion zur Bedeutung 100 Jahre Oktoberrevolution“

 Rolle Lenins und des Leninismus in der Oktoberrevolution

Die Oktoberrevolution in Russland ist die erste siegreiche, sozialistische Revolution im zwanzigsten Jahrhundert. In einem riesigen Land erkämpfen Millionenmassen von Werktätigen die Diktatur des Prole-tariats. Durch die politische Macht des Proletariats und der armen Bauern werden die nicht bewältigten Auf-gaben der demokratischen Revolution in Russland in kurzer Zeit mit einer Radikalität gelöst, die die Welt bis dahin nicht gesehen hatte. Ohne Rast wird zugleich, gestützt auf die eigenen Kräfte, gestützt auf die - gegenseitige - Solidarität der Klassenkämpfe der internationalen ArbeiterInnenklasse und der Befreiungs-kämpfe der unterdrückten Völker ein nie da gewesenes Werk angepackt: Aufbau des Sozialismus auf dem Weg zum Kommunismus. Im wahrsten Sinne wird Neuland betreten und eine gigantische Aufgabe prak-tisch angepackt. Wir RevolutionärInnen und KommunistInnen sind herausgefordert, um die heutigen Auf-gaben zu bewältigen, von dieser bedeutenden Revolution zu lernen, von ihren überwältigenden Erfolgen wie auch von manchen bitteren Niederlagen.

Der Sieg dieser epochalen Revolution ist ohne die immense theoretische Vorarbeit Lenins nicht denkbar.

Was hat Lenin getan? Er hat gestützt auf die marxistische Theorie, die Welt-Entwicklungen in den letzten Dekaden des 19. und in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts gründlich studiert und analysiert.

Das Ergebnis seiner Analysen ist in konzentrierter Kurzform sein Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Lenin hat an Hand von Fakten wissenschaftlich bewiesen, dass in dieser Zeit-spanne der Kapitalismus der freien Konkurrenz abgelöst wurde von dem höchsten Stadium des Kapitalismus, dem Monopolkapitalismus: „Würde eine möglichst kurze Definition des Imperialismus verlangt, so müßte man sagen, daß der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist.“[1] Er stellt weiter fest: „Das 20. Jahrhundert ist also der Wendepunkt vom alten zum neuen Kapitalismus, von der Herrschaft des Kapitals schlechthin zu der Herrschaft des Finanzkapitals.“[2]

Lenin definiert die grundlegenden Merkmale dieses neuen Kapitalismus, des Imperialismus, im Bewusstsein dessen, dass, „alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann.“

Die Merkmale lauten:

1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet.

Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.“[3]

Lenin hat ausgehend von dieser Analyse, im ideologischen Kampf gegen einige „orthodoxe Marxisten“, die sich zu offenen Reformisten, oder wie Kautsky zu „Phantasierern“ über einen möglichen, „friedlichen Ultraimperialismus“ entwickelten, die Theorie der proletarischen Revolution ausgearbeitet.

Diese Theorie geht von drei Leitsätzen aus.

– Herrschaft des Finanzkapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern des Kapitalismus. Dieser führt den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit bis zur äußersten Grenze. Dieser kann nur durch die proletarisch-sozialistische Revolution gelöst werden.

– Verstärkter Kapitalexport in die kolonialen und abhängigen Länder, Umwandlung des Kapitalismus in ein Weltsystem, die Spaltung der Weltbevölkerung in zwei Lager: in eine Handvoll “fortgeschrittener“ kapitalistischer Länder, und in eine übergroße Mehrheit von kolonialen und abhängigen Ländern, die von ersteren ausgebeutet und unterdrückt werden. Der Widerspruch zwischen dem Imperialismus und den unter-drückten Völkern kann nur gelöst werden durch antiimperialistische-demokratische Revolutionen.

– Der wütende Kampf um die Neuaufteilung der Welt, aufgrund der ungleichmäßigen Entwicklung der kapitalistischen Länder. Imperialistische Kriege als einziges Mittel um das gestörte „Gleichgewicht“ wieder herzustellen. Die innerkapitalistischen Widersprüche, diese „dritte Front“ schwächen den Imperialismus.

Lenin entwickelt daraus: „die Unabwendbarkeit von Kriegen unter dem Imperialismus und die Unausbleib-lichkeit der Koalition zwischen der proletarischen Revolution in Europa [heute: proletarisch sozialisti-schen Revolutionen in den imperialistischen Ländern] und der kolonialen Revolution im Osten [heute: antiimperialistische, demokratische Revolutionen in vom Imperialismus abhängigen oder halbkolo-nialen Ländern, nationale Befreiungsrevolutionen in besetzten Ländern] zu einer einheitlichen Weltfront der Revolution gegen die Weltfront des Imperialismus“[4] und er schlussfolgert „Der Imperialismus ist der Vorabend der sozialistischen Revolution“.

Er arbeitet die Theorie aus, dass nun die Revolution als Revolution in einem Weltsystem des Imperialismus gedacht werden muss, und die Kette des Imperialismus an ihrem schwächsten Kettenglied reißen wird. An-hand der konkreten Fakten legt er dar, dass Russland zu dieser Zeit das schwächste Kettenglied des Imperia-lismus ist.

Mitten im tobenden Weltkrieg hat Lenin den Charakter dieses Kriegs richtig eingeschätzt:„Der Europa und die ganze Welt erfassende Krieg trägt klar den ausgeprägten Charakter eines bürgerlichen, imperiali-stischen, dynastischen Krieges. Kampf um die Märkte und Raub fremder Länder, das Bestreben die revolutionäre Bewegung des Proletariats und der Demokratie im Innern der Länder zu unterbinden“.[5] Und Lenin hat den schändlichen Zusammenbruch der II. Internationale angesichts des Krieges angeprangert, in scharfer ideologischer Auseinandersetzung mit Revisionisten und Zentristen hat er an den richtigen Be-schlüssen der Stuttgarter, Kopenhagener, und Basler Kongresse der II. Internationale festgehalten, die „die Sozialisten aller Länder verpflichteten, den Chauvinismus unter allen Umständen zu bekämpfen, die die Sozialisten verpflichteten, jeden von der Bourgeoisie und den Regierungen begonnenen Krieg mit verstärkter Propagierung des Bürgerkriegs und der sozialen Revolution zu beantworten.“[6] Er fordert für den Sieg der Revolution den organisatorischen Bruch mit den Opportunisten. Hinsichtlich der Internationale stellt er fest: „Es wäre eine schädliche Illusion, auf den Wiederaufbau einer wirklich sozialistischen Internationale ohne vorhergehende vollständige organisatorische Abgrenzung von den Opportunisten zu hoffen.“[7] Die von Lenins Theorie geleitete bolschewistische Partei war die führende Kraft der Oktoberrevolution, die auch in der Praxis zeigt, aus dem imperialistischen Krieg gibt es nur einen revolutionären Ausweg: die bolsche-wistische Revolution.

Lenins Theorie ist eine qualitative Weiterentwicklung des Marxismus, unter den Bedingungen der qualita-tiven Veränderungen des Kapitalismus, vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapita-lismus. Der Leninismus ist der Marxismus einer neuen Epoche im Kapitalismus. Er ist der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution.

Seit der Oktoberrevolution sind hundert Jahre vergangen. In diesen hundert Jahren hat die Menschheit einen von Nazi-Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg, zahllose imperialistische und konterrevolutionäre Kriege mit Abermillionen von Toten und eine Barbarei nie dagewesenen Ausmaßes erlebt. Aber sowohl der Erste, als auch der Zweite Weltkrieg waren auch Geburtshelfer neuer Revolutionen.

In diesen hundert Jahren hat sich vieles verändert. Die Konzentration des Kapitals hat enorm zugenommen. Imperialistische Monopole und die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sind heute viel offen-sichtlicher und stärker. Der Parasitismus des Imperialismus wurde viel offenkundiger. Aber das Wesen des Imperialismus ist dasselbe geblieben: „Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen… als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus.“[8]

Wir leben nach wie vor in der Epoche des Imperialismus. Die aktuellen Veränderungen im Imperialismus betreffen nicht seine Wesensmerkmale. Er ist zwar ein in Fäulnis begriffener Kapitalismus, aber er ist nach wie vor lebendig. Sein Ende wird nicht von selbst kommen, sondern nur durch proletarische Revolutionen. Dazu brauchen wir nach wie vor die Lehre Lenins über den Imperialismus und die proletarische Revolution. Nur mit ihrer Hilfe werden wir siegen.

Vom Oktober lernen, heißt von Lenin lernen, heißt siegen lernen!

7. April 2017



[1] Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke Bd.22, S.270

[2] ebenda, S.229

[3] ebenda, S.270-271

[4] Stalin, „Über die Grundlagen des Leninismus“, Werke Bd.6, S.84

[5] Lenin, „Die Aufgaben der revolutionären Sozialdemokratie im europäischen Krieg“, Werke Bd.21. S.1

[6] Lenin, „Der Krieg und die russische Sozialdemokratie“, Werke Bd.21, S.19

[7] Lenin, „Die Konferenz der Auslandssektion der SDAPR“, Werke Bd.21, S.151

[8] Lenin, „Der Imperialismus…“, Bd.22, S.305

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