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Auswertung der Tage in Sankt Petersburg im November 2017

ICOR, Hauptkoordinatorin. 29. März 2018

 

Vorgeschichte: Die zweite Weltkonferenz der ICOR fasste 2014 den Beschluss zu 100 Jahre Oktoberrevolution und einer entsprechenden Kampagne mit verschiedenen Bestandteilen. Einen besonderen Höhepunkt der ICOR Aktivitäten bildeten die erfolgreichen Aktivitäten in Sankt Petersburg mit dem Höhepunkt der Demonstration am Jahrestag der Oktoberrevolution (7. November) mit 8000-10.000 Beteiligten. Und dazu ein volles Programm, u.a das Festbankett der ICOR am 8. November.

 

Die Tage in St. Petersburg fanden im heftigen Gegenwind statt: Die Demonstrationsroute auf dem Newski Prospekt, der von Massen belebten Hauptstraße, wird verboten. Die Aktivitäten sollen sich nach Putins Vorstellung in Moskau abspielen. Dorthin hat auch die KPRF eingeladen. Sankt Petersburg soll auf keinen Fall ins Zentrum des Geschehens rücken! Der Smolny – das Zentrum des Planungsstabs der Revolution und Sitz des Arbeitszimmers von Lenin – wurde trotz monatelanger Anmeldung „plötzlich“ für unsere Besuchergruppen geschlossen. Der zugesagte Raum für das Festbankett wird abgesagt. Um den 5. November werden insgesamt über 200 Menschen in Sankt Petersburg verhaftet, was wir aber auch nur durch die russischen Genossen erfuhren. Keine Zeitung berichtet darüber.

 

Die Vorbereitung: Die Aktivitäten in St. Petersburg waren über einen langen Zeitraum in engster Zusammenarbeit mit den Genossen der MLP vorbereitet. Aber auch länger zurückliegende Kontakte, wie die der MLPD und insbesondere von Stefan Engel zur Russischen Kommunistischen Arbeiterpartei (RKAP) (die RKAP gab das Buch von Willi Dickhut „Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion“ in Russland heraus, obwohl sie die Analyse der Entwicklung zum Sozialimperialismus nicht teilt.) waren wichtige Faktoren für das Gelingen. Die Hauptkoordinatorin besuchte Anfang 2017 erneut Sankt Petersburg und die MLP. Das ganze Vorhaben, angefangen von den Unterkünften, die verschiedenen Aktivitäten und Veranstaltungen bis hin zu gemeinsamer Bündnisarbeit wurde beraten und vereinheitlicht. Ein langes und intensives Gespräch mit Victor Tjulkin überzeugte ihn von dem Vorhaben der ICOR, so dass der gezielte Aufbau eines Bündnisses Oktober 100 in Angriff genommen und die auch im internationalen Maßstab wichtige Partei tragende Kraft der Demonstration wird.

 

Wichtige Stationen: Die internationale Jugendbrigade (aus Nepal, Deutschland und den Niederlanden) leistete im Vorfeld und über die Tage eine insgesamt hervorragende Arbeit zur Unterstützung der ca. 200 ICOR Delegierten. Das begann schon mit dem herzlichen Empfang auf dem Flughafen, wo die Jugendbrigade über 72 Stunden Anlaufstelle für die Revolutionäre aus aller Welt war, dafür sorgte, dass alle zu ihren Quartieren kamen usw. Wadim von der MLP: „Ich hatte zunächst befürchtet, dass diese Tage nicht so gut werden. Als dann die Genossen von der Jugendbrigade kamen, wurde mir ganz warm ums Herz, denn dadurch wurde vieles einfacher. Von da an wusste ich: Alles wird gut.“ Die Jugendbrigade hatte sich Richtlinien erarbeitet, die eine wichtige Orientierung waren.

 

Das Besuchsprogramm: Die zwei Busse für die Stadtrundfahrt waren überfüllt und ein Großteil der Genossinnen und Genossen erkundeten die Städten der Revolution zu Fuß. Wir hatten mit Ludmilla und Sergej kompetente Reiseleiter. Wir führten eine Gedenkkundgebung am Marsfeld durch, wo die Toten der Februarrevolution beerdigt sind … Und bei einem Stopp auf der Newa Brücke hören wir die Geschichte, wie die Revolutionäre 1917 einem alten, verantwortungsbewussten Brückenwärter den Schlüssel abgenommen haben, mit dem man das Hochziehen der Brücken in Gang setzen kann. St. Petersburg ist eine wunderbare Stadt!

 

Das Konzert am 6. November mit 700 Besuchern war von der RKAP organisiert wurden. Es gab hervorragende und qualitativ sehr hochstehende Beiträge von Künstlern aus St. Petersburg und Russland. Der Auftritt der Musikgruppe Gehörwäsche aus Deutschland verkörperte in gewissen Sinne die revolutionäre und jugendliche Perspektive dieser Feierlichkeiten. Ein Höhepunkt war die Rede von Sanjay Singhvi für die ICOR. Und es ergaben sich wertvolle neue Kontakte zu einer Partei aus Südkorea, zu älteren Kommunisten, „verdienten Bergarbeitern“ aus Sankt Petersburg und Kontakt zu weiteren internationalen Besuchern wie aus Griechenland und der Türkei, zu Bauern …

 

Höhepunkt der Aktivitäten in Sankt Petersburg/Leningrad war mit Sicherheit die Demonstration am Abend des siebten Novembers, die mit ca. 8000 Beteiligten am finnischen Bahnhof startete und mit 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor der Aurora ihren Abschluss fand. Die Mobilisierung war schwierig. Die russischen Genossen entschieden, dass weder Flyer gemacht, noch Plakate aufgehängt werden. Keine einzige Zeitung, kein Blog im Internet darf berichten. Die Mobilisierung erfolgt also von Mund zu Mund. Ein starker Block der ICOR mit Delegationen aus elf Ländern, einer Woge von ICOR Fahnen und kämpferischer Demonstrationskultur wird der Anziehungspunkt, obwohl seine 2-300 Teilnehmer eine deutliche Minderheit sind. Die Demonstration war akribisch vorbereitet und folgte einer durchdachten Regie. Das ganze Erscheinungsbild, die Disziplin, Parolen, Arbeiterlieder und insbesondere die „Internationale“ und optimistische, selbstbewusste Ausstrahlung übt eine große Anziehungskraft aus. Massenhaft Leute sangen mit, bedankten sich, kauften Literatur, einige reihten sich ein.

Leider konnte nicht die ICOR, aber die MLPD sprechen (Begründung Tjulkin: „Zur ICOR haben wir noch nicht das Vertrauen, wohl aber über viele Jahre gewachsen zur MLPD“). Der Grund war, dass die kurzfristig entschiedene Beteiligung der revisionistischen KPRF dieser – nach Aussagen der RKRP und bestätigt durch die MLP - das Recht gab, zusammen mit der zweitgrößten Organisation RKRP an der Spitze der Demonstration zu gehen und die Rednerliste zu bestimmen. Es bestand nur kurzfristig die Möglichkeit, dies zu beraten und alle beteiligten Genossen der ICOR – incl. MLP – stimmten zu, dass die MLPD als ICOR Organisation spricht und den Gedanken der ICOR vorstellt. Das hat sie auch gemacht. Als Abschluss steigt ein Feuerwerk und die Vertreter der ICOR und ihre Freunde positionieren sich noch gemeinsam vor der Aurora.

Das Festbankett mit 300 Teilnehmern aus 20 Ländern war ein sehr würdiger Abschluss der Tage in Sankt Petersburg und eine herzergreifende Verbrüderung. Der Abend begann mit dem Einmarsch der Matrosen mit den ICOR Fahnen! Es war ein Chor echter Matrosen, die mit allen zur Eröffnung die Internationale sangen – und dann Partisanen von Amur. Der Abend mit zahlreichen Kurzreden, Trinksprüchen und Kulturbeiträgen wurde von Monika/Hauptkoordinatorin der ICOR moderiert. Sehr überraschend war die Verleihung von Orden durch den Vorsitzenden der RKAP.

 

Auch Finanziell waren die Sankt Petersburger Ereignisse ein Erfolg. Die Ausgaben wurden getragen und es konnten sogar die Auslagen von MLP und Jugendbrigade noch teilweise erstattet werden.

 

Einige Stimmen zu den Tagen in St. Petersburg:

Kazi/CPB Bangladesh: „Die Demonstration war sehr gut und farbenprächtig. Sie setzte ein historisches Zeichen, denn nach dem Zusammenbruch des Sozialismus waren die Kommunisten sehr schwach und vor allem zersplittert und niedergeschlagen. Ich war Anfang der Neunzigerjahre öfters in Russland und die Stimmung unter den Kommunisten war katastrophal. Die heutige Demonstration zeigt, dass sich das Blatt gewendet hat.“ Er zeigt uns Bilder von den Feierlichkeiten zu 100 Jahre Oktoberrevolution in Dhaka, Bangladesch am gleichen Tag. Die revolutionären Organisationen haben einen Sternmarsch organisiert. Der Demonstrationszug seiner Organisation umfasste 22.000 Menschen!

Tuta/PPP Peru „Die Niederlage für die Arbeiterklasse und für die Revolutionäre wird abgelöst durch den Beginn einer neuen revolutionären Leidenschaft in der ganzen Welt. Ich bin glücklich, dass ich als Vertreter der ICOR hier sein kann. Auf uns kommt viel Arbeit zu.“

Adismar /Plataforma Golpe de Timon/Venezuela: Ich beglückwünsche die Genossen zu dieser großartigen Demo! Ich sehe den großen Willen, dass alles mit großer Freiwilligkeit gemacht wurde. 100 Jahre nach der Oktoberrevolution ist der Kommunismus wichtiger den je zuvor … Heute war ein wunderbarer Tag, der unvergesslich für alle Beteiligten bleiben wird.“

Stolz und Freude strahlten auch aus den Gesichtern der russischen Genossen von der MLP. Gegen Tausend Widerstände haben sie die Demonstration erkämpft. Die MLP hat als kleine Organisation Großes geleistet. Es lastete ein sehr großer Druck der Verantwortung auf ihr – von den Herrschenden, von Seiten der Revisionisten und auch zeitweilig von der eigenen Verzagtheit. Ihre Bilanz: „Aber wir sind unseren Weg gegangen und konnten mit der Klarheit der ICOR im Rücken auch als kleine Organisation sehr viel erreichen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ohne die ICOR die Veranstaltung in dieser Dimension nicht stattgefunden hätte.“

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