Lenin und sein Beitrag in der Geschichte der Frauenbefreiung
Liebe Genoss:innen, Liebe Freund:innen,
im Erinnerung an Wladimir Iljitsch Lenin, gedenke ich allen Kommunist:innen, die seine Lehren lebendig gemacht haben und für die Frauenbefreiung kämpften und noch immer kämpfen. Lenin legte bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts fest, wie wichtig der Beitrag der proletarischen Frauen zur sozialistischen Revolution sein wird und steckte viel Werktätigkeit in die Errichtung der Frauenbefreiungsarbeit zu jener Zeit. Seinen mühevollen Kampf spiegeln unzählige Berichte, Briefe und Erzählungen von bolschewistischen und kommunistischen Frauen, die die Vorhut dieser Arbeit waren wieder. Denn Lenin bemühte sich vor allem um ihre Entwicklung und verhalf ihnen den Schritt im Frauenbefreiungskampf nach vorn und sah sie gewiss nicht hinter sich, sondern links neben sich stehen.
I. Zetkins Erinnerungen an Lenin und die Aktualität seiner Worte
Die Kommunistin Clara Zetkin, erzählt in ihren Erinnerungen an Lenin und zitiert ihn: „wir müssen unbedingt eine kräftige internationale Frauenbewegung schaffen, auf klarer theoretischer Grundlage“. Über hundert Jahre nach Lenin ist die Klarheit in der theoretischen Grundlage nach wie vor eines der wichtigsten Aspekte für den Erfolg der internationalen Frauenbewegung. Ideologische Angriffe der bürgerlichen Apologeten insbesondere aus dem Lager des Postmodernismus, mit dem Ziel der Liberalisierung, Zersplitterung und Integration der Frauenbewegungen weltweit gehören heute zu den größten Herausforderungen für uns Kommunistinnen und Kommunisten. Die Formierung einer kämpferischen internationalen Frauenbewegung ist nach wie vor eines unserer wichtigsten Aufgaben. Begegnungen wie heute, sind die Meilensteine zur Realisierung dieser Ziele. Die historische Bedeutng der Frauen im Kampf für die Revolution und für den Sozialismus spiegelt Genosse Lenin in folgenden Zeilen wieder: „In Petrograd, hier in Moskau, in Städten und Industriezentren draußen am Lande haben sich die Proletarierinnen in der Revolution prächtig gehalten. Ohne sie hätten wir nicht gesiegt. Oder auch kaum gesiegt. Das ist meine Meinung. Wie tapfer waren sie, wie tapfer sind sie noch jetzt! Stellen Sie sich all die Leiden und Entbehrungen vor, die sie tragen. Und sie halten aus, weil sie die Sowjets behaupten wollen, wie sie die Freiheit, den Kommunismus wollen. Jawohl, unsere Proletarierinnen sind prächtige Klassenkämpferinnen. Sie verdienen, dass man sie bewundert und liebt." und noch weiter sagt er: "In der Partei haben wir zuverlässige, kluge und unermüdlich tätige Genossinnen. Wir konnten manchen wichtige Posten in den Sowjets und Vollzugsausschüssen, in den Volkskommissariaten und öffentlichen Diensten jeder Art mit ihnen besetzen. Manche arbeiten Tag und Nacht in der Partei oder unter den Massen der Proletarier, der Bauern, in der Roten Armee. Das ist für uns sehr viel wert. Es ist auch wichtig für die Frauen überall in der Welt. Es beweist die Fähigkeiten der Frauen, den großen Wert, den ihre Arbeit für die Gesellschaft hat. Die erste Diktatur des Proletariats ist wahre Bahnbrecherin für die voll soziale Gleichberechtigung der Frau. Sie rottet mehr Vorurteile aus als Bände frauenrechtlerischer Literatur. Aber mit alledem haben wir noch keine internationale kommunistische Frauenbewegung, und die müssen wir unbedingt haben. Wir müssen sofort daran gehen, sie zu schaffen. Ohne sie ist die Arbeit unserer Internationale und ihrer Parteien keine ganze Arbeit, wird nie ganze Arbeit sein. Wir müssen aber die ganze Arbeit für die Revolution machen."
Wladimir Iljitsch Lenin, leitete Zetkin hinsichtlich der Erstellung der Richtlinien für die kommunistische Arbeit unter den Frauenmassen und gab mit: "Die Richtlinien müssen scharf zum Ausdruck bringen, dass wahre Frauenbefreiung nur möglich ist durch den Kommunismus. Der unlösbare Zusammenhang zwischen der sozialen und menschlichen Stellung der Frau und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln ist stark herauszuarbeiten. Damit wird die feste, unerwischbare Trennungslinie gegen die Frrauenrechtlerei gezogen. Damit ist aber auch die Grundlage gegeben, die Frauenfrage als Teil der sozialen Frage, der Arbeiterfrage aufzufassen und als solche fest mit dem proletarischen Klassenkampf und der Revolution zu verbinden. Die kommunistische Frauenbewegung selbst muss Massenbewegung sein, ein Teil der allgemeinen Massenbewegung. Nicht nur der Proletarier, sondern der Ausgebeuteten und Unterdrückten jeder Art, aller Opfer des Kapitalismus oder eines Herrschaftsverhältnisses. Darin liegt auch ihre Bedeutung für die Klassenkämpfe des Proletariats und für seine geschlichte Schöpfung: die kommunistische Gesellschaft. Wir können mit Recht stolz darauf sein, dass wir eine Elite revolutionärer Frauen in der Partei, in der Kommunistischen Internationale haben. Aber das ist nicht entscheiden. Wir müssen Milionen werktätiger Frauen in der Stadt und im Dorfe für uns gewinnen. Für unsere Kämpfe und ganz besonders für die kommunistische Umwälzung der Gesellschaft. Ohne die Frauen gibt es keine wirkliche Massenbewegung."
In der Gegenwart beweisen Frauen tagtäglich in verschiedensten Kämpfen international, wie wahr doch dieser letzte Satz ist. Die Aufstände im Iran, die von der Wut und Trauer von Frauen und ihrem Sehnen nach Freiheit zu einem allgemeinen Volksaufstand gegen das reaktionäre Mullah-Regime. Die Frauen in Rojava beweisen, wie eine gesellschaftliche Neugestaltung und Demokratisierung allein dann funktioniert, wenn die Frauen in allen Bereichen des Lebens vertreten sind. Hierfür ist es vor allem die Arbeit unter den Massen, die die Überzeugung zu dieser Mitwirkung entstehen lassen und den Veränderungsprozess einleiten.
Lenin geht noch weiter und besteht darauf: "Die Partei muss Organe haben, Arbeitsgruppen, Kommissionen, Ausschüsse, Abteilungen oder wie sonst man sagen mag, deren besondere Aufgabe es ist, die breitesten Frauenmassen zu wecken, mit der Partei zu verbinden und dauernd unter ihrem Einfluss zu halten. Dazu gehört natürlich, dass wir ganz systematisch unter diesen Frauenmassen tätig sind. Wir müssen die Erweckten schulen und für die proletarischen Massenkämpfe unter der Führung der Kommunistischen Partei gewinnen." Diese Anleitung ist uns kommunistischen Frauen auch heute noch ein Wegweiser.
II. Die Vielfältigkeit der Beiträge Lenins und sein Einfluss auf das Programm der Frauenrevolution
Lenin beschäftigte sich mit der Frauenbefreiungsfrage nicht allein auf einer Ebene. Seine verfältige Auseinandersetzung und Beiträge bereicherten den Kampf der kommunistischen und proletarischen Frauen. Er beschäftigte sich und produzierte zu den Themen der Frauenmassenarbeit, der internationalen Frauenbewegung und der Notwendigkeit der Pressearbeit für Frauen. Seine theoretischen Auseinandersetzungen mit den Themen der Arbeitskraft der Frauen und ihrer Bedeutung innerhalb der Produktion und des Kapitalismus gaben die Grundlage für weitere Diskussionen. Seine Beharrlichkeit zur Aufnahme der "Gleichstellung von Frau und Mann" im Programm und der Erfolg hierbei wurden zu einem Maßstab für kommunistischen Parteien. Er bestand auf die Gleichheit, die nicht allein vor dem Gesetz, sondern vor allem im echten Leben, wie er sagte, gelten müsse. Hierfür sah er die Vertretung von Arbeiterinnnen in der Leitung der vergesellschafteten Betriebe und der Regierung als essenziell an. Die Köchin solle den Staat regieren können.
Die Ansätze, welche Lenin Kommunistinnen auf den Weg gab und die bahnbrechenden Erfolge der Oktoberrevolution, die ihrer Zeit weit voraus waren, wurden zum Parameter im Kampf für den Kommunismus. Heute gilt es auf Lenin's Art unserer Zeit weit voraus zu sein und bahnbrechend im Kampf für die Befreiung der Frau zu sein. Die Theorie der Frauenrevolution, das ein kommunistisches Programm für die Befreiung der Frau geformt hat, ist eine Weiterentwicklung der marxistisch-leninistischen Lehren für eine klassenlose Welt, in der die gesellschaftliche Geschlechterteilung aufgehoben ist und das Privategentum als Ursache von Klassenausbeutung und patriarchaler Unterdrückung aufheben will. Die Frauenrevolution als unverzichtbarer Teil jeder sozialen Revolution, in der die proletarische Frau als Subjekt des Kampfes mit dem proletarischen Mann als ihren Verbündeten im Kampf gegen das Patriarchat, und als Klassengeschwister im Kampf gegen die Bourgeoisie eine führende Rolle nimmt, erfordert einen Prozess, der schon heute die notwendigen Maßnahmen, Interventionen und Mechanismen entwickelt. Dieses Programm weist darauf hin, dass Frauen nicht nur als eine Massenarbeit, als eine Reserve im gesellschaftlichen Kampf betrachtet werden darf, sondern als eine eigenständige gesellschaftliche Kraft, in der es auch Klassendifferenzen in der die proletarischen Frauen ein ureigenes Interesse an der Abschaffung der Klassenverhältnisse haben. Nicht nur als Proletarierin, sondern auch als Frau die aufgrund der patriarchalen Klassengesellschaftsverhältnisse unterdrückt wird. Ja, auch die proletarischen Männer haben ein Interesse an der Frauenbefreiung und müssen sich dementsprechend gesellschaftlich positionieren und für den Erfolg der Frauenbefreiung kämpfen. Eigenständige Organisierungen von kommunistischen Frauen innerhalb von Kommunistischen Parteien, Paritätirsche Repräsentation selbst in der Spitze clandestiner Kommunistischer Parteien, Maßnahmen zur gleichberechtigten Repräsentation von Frauen, Maßnahmen zur Abwehr von Sexismus und Gewalt sind wesentliche Erfahrungen in gesellschaftlicher Organisierung und kommunistischer Arbeit, auf die wir heute aufbauen müssen.
III. Das Erbe Lenins und die Errichtung der internationalen kommunistischen Frauenbewegung
Lenins Beitrag zur Entwicklung der Frauenbewegung und einzelner kommunistischer Vorkämpferinnen war nicht abstrakt. Es waren die konkreten Vorschläge und die gedankliche Arbeit seinerseits die zur Stärkung des Frauenbefreiungskampfes beitrugen. Die Kommunistinnen Inès Armand und Nadeshda Krupskaja entwarfen 1914 die ersten Programme und Pläne für eine bolschewistische Frauenzeitschrift, die "Rabotniza", welche als legale Massenpublikation russische Proletarierinnen geschaffen wurde. Lenin zeigte ab Ende 1913 große Mühe zur Entwicklung dieser Idee und trug zu den organisatorischen und theoretischen Arbeiten bei. Wir sehen uns in der Tradition von vielen Frauen, die die theoretische Ausarbeitung der Frauenbefreiungsfrage bis heute brachten.
Lenins Worte begleiteten die kommunistischen Frauen seiner Zeit in all ihren Arbeiten. Die Bolschewikin Alexandra Artjuchina erzählt, wie Lenin am 19. November bei dem Ersten Gesamtrussischen Arbeiterinnenkongress erschien und mit folgenden Worten zu den Frauen sprach: "Es kann.. keine sozialistische Umwälzung geben, ohne daß ein großer Teil der werktätigen Frauen daran bedeutenden Anteil nimmt." "Wir haben seine Worte für immer in unseren Herzen bewahrt" sagte Genossin Artjuchina. So behalten auch wir heute seine Worte stets in unseren Herzen und erkennen sie als Wegpfeiler.
Als theoretische Frauenpublikation Sosyalist Kadin, bedanken wir uns bei Lenin für seine Arbeiten im Frauenbefreiungskampf, die uns wie der Beitrag von vielen kommunistischen Frauen zum heutigen Standpunkt verhalfen und uns ihr Erbe überliesen. Auch bedanken wir uns hier bei allen Organisator:innen der Konferenz in Andenken an Lenin und dass wir hier sprechen durften. Lasst uns wie die Bolschewikin Artjuchina, die Worte Lenins für immer in unseren Herzen tragen und damit kämpfen. Bis hin zur sozialistischen Revolution, bis hin zur Frauenrevolution international. Jîn Jîyan Azadî!
Quellen:
- V.İ. Lenin – Kadınların Kurtuluşu, derleyen: Nadezhda Krupskaya, Verlag: Akademi Kadın, 2010
- Pawel Poljaschuk – Inessa, Dietz Verlag, 1987
- Clara Zetkin, Erinnerungen an Lenin, 1925, marxist.org