Der 1. Mai international
Auch in diesem Jahr haben zum Kampftag der Arbeiterklasse wieder Tausende von Arbeitern und Werktätigen weltweit die Straßen gefüllt, um mit vielfältigen Mitteln für ihre Rechte einzutreten. Besonders die Jugend trat hervor und machte deutlich, dass sie in der imperialistisch-kapitalistischen Weltordnung keine Zukunft sieht. Neben den zentralen Forderungen der Arbeiterklasse prägten auch antimperialistische Themen die Demonstrationen. Weltweit beobachtenArbeiter und Unterdrücktedie Eskalation von Kriegen und die Vorbereitungen aufeinen neuen imperialistischen Weltkrieg. Die Forderungen sind klar: Stopp die Kriegstreiberei! Stoppt die Aufrüstung! Stoppt die Waffenlieferungen! Es sind die schmutzigen Kriege der Imperialisten und nicht die der Arbeiter!
In zahlreichen Ländern wurde die Solidarität mit den Menschen im Nahen Osten deutlich, deren Lebensgrundlagen durch die amerikanisch-israelische Kriegsallianz bedroht werden. Auch die imperialistischen Interventionen in Venezuela und Kuba standen auf der Agenda. Insgesamt zeigte sich, dass die Kämpfe am 1. Mai stark internationalistisch und antiimperialistisch geprägt waren.
Friedrich Engels, Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus, bezeichnete den 1. Mai 1890 als den Tag, an dem das Proletariat „Heerschau hält über seine Streitkräfte“.Die internationalen Berichte über die Aktionen am 1. Mai zeigen, dass das internationale Proletariat sein Stärke präsentieren konnte. Hier sind einige Eindrücke aus verschiedenen Ländern:
Argentinien

In Buenos Aires gingen zum 1. Mai tausende Menschen auf die Straße. Im Mittelpunkt standen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, höheren Löhnen und sozialer Gerechtigkeit. Die Demonstrationen hatte einen stark antifaschistischen Charakter. Sie richteten sich explizit gegen die neoliberale und arbeiterfeindliche Politik von Präsident Javier Milei.
Kuba

Am 1. Mai demonstrierten Hunderttausende Kubaner:innen in Havanna gegen das US-Embargo und die Drohungen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Mehr als 500.000 Menschen nahmen an der Kundgebung vor der US-Botschaft teil. Trump hatte zuvor mehrfach mit schärferem Vorgehen gegen Kuba gedroht und offen von einer möglichen „Übernahme“ gesprochen. Wenige Stunden nach der Kundgebung verschärfte die US-Regierung ihre Sanktionen gegen Kuba. Die Teilnehmer:innen der Demonstration zogen vom Revolutionären Platz fünf Kilometer durch die Stadt, skandierten Parolen wie „Cuba sí, bloqueo no!“ („Ja zu Kuba, nein zur Blockade!“) und brachten ihre Forderung nach Frieden und einem Ende der Blockade mit Gesängen und Transparenten zum Ausdruck. Internationale Delegationen beteiligten sich ebenfalls solidarisch an der Kundgebung.
Ecuador
In Ecuador richteten sich die Proteste zum 1. Mai unter anderem gegen Präsident Daniel Noboa. Die häufig gerufene Losung „Fuera Noboa, fuera“ („Weg mit Noboa, weg mit ihm“) verdeutlicht die politische Stimmung. Landesweit läuft derzeit eine Unterschriftensammlung, die auf seine Absetzung abzielt. Die Demonstrationen wurden von Soldaten und Panzern überwacht, ein Ausdruck der zunehmenden Faschisierung des Staatsapparates. Daneben standen ökonomische und soziale Forderungen im Vordergrund, insbesondere der Schutz des 8-Stunden-Tages gegen Pläne, die tägliche Arbeitszeit auf bis zu 10 Stunden auszuweiten. In Cuenca rückte auch die Umweltfrage in den Fokus: Mit Transparenten wie „Sin oro se vive, sin agua se muere“ („Ohne Gold kann man leben, aber ohne Wasser stirbt man“) protestierten Menschen gegen zerstörerischen Bergbau. Der Widerstand gegen den Genozid in Palästina war ebenfalls Teil der Demonstrationen. Die Kommunistische Marxistisch-Leninistische Partei Ecuadors (PCMLE) spielte eine feste Rolle bei der Organisation der Proteste.
Bolivien
In Bolivien sind in der Zentralen Obrera Boliviana (COB) Gewerkschaften von Bergarbeitern, Bauern und Lehrernzusammengeschlossen. Die COB fordert unter anderem dieErhöhung des Mindestlohns, die Präsident Rodrigo Paz bisher ablehnte.Bereits seitdem 8. April marschieren zudem Bauern und indigene Gruppen in die Hauptstadt La Paz, um gegen das Gesetz 1720 zu protestieren, das die Verteilung des Landbesitzes neu regeln soll. Sie kritisieren, dass das Gesetz die Agrarkonzerne begünstigt, Landkonzentration und Abholzung fördert.
Die COB versucht, die unterschiedlichen Kämpfe zu koordinieren und zu politisieren. Am 1. Mai kündigte Mario Argollo in El Alto an, einen unbefristeten Streik so lange fortzusetzen, „bis alle Forderungen erfüllt sind“. Zugleich stellte er der Regierung ein Ultimatum: Sollte diese nicht einlenken, müsse sie „zur Seite treten“.
USA

In den USA beteiligten sich am 1. Mai Tausende Menschen an landesweiten Protesten und einem sogenannten „wirtschaftlichen Boykott“. Unter dem Motto „No School, No Work, No Shopping“ fanden rund 3.500 Aktionen statt, darunter Streiks, Demonstrationen und Blockaden in zahlreichen Städten.
Arbeiter:innen, Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, Lehrkräfte, Studierende und Migrant:innen gingen unter dem gemeinsamen Slogan „Workers Over Billionaires“ auf die Straße. Der landesweite Aktionstag wurde von der Koalition „May Day Strong“ organisiert. Mehr als 500 Gewerkschaften und Massenorganisationen unterstützten die Mobilisierung, darunter die National Education Association (NEA), die Chicago Teachers Union, Teile der United Auto Workers (UAW), der Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO, Ortsgruppen der Democratic Socialists of America (DSA) sowie revolutionäre Parteien wie die Party for Socialism and Liberation (PSL) und die Freedom Road Socialist Organisation (FSRO). Außerdem beteiligten sich rund 200 regionale Gruppen der Bewegung Indivisible, die die Proteste unter dem Motto „No Kings“ koordinierten.
Nach Schätzungen waren etwa 500.000 Menschen aktiv auf den Straßen, in Streiks oder bei Boykotten beteiligt. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, da viele den Schul- und Einkaufsboykott still unterstützten. Besonders bemerkenswert ist, dass der 1. Mai in den USA kein offizieller Feiertag ist, wodurch diese Aktionen, insbesondere die Streiks, als wichtiger Ausdruck des Arbeitskampfs und wachsender Mobilisierung der Bewegung gelten.
Türkei

Die 1.-Mai-Proteste in der Türkei waren in diesem Jahr zahlreich und kämpferisch. Die größten Aktionen fanden in Istanbul statt, wo ein Bündnis revolutionärer Kräfte den historischen Taksim-Platz als Symbolort der Arbeiterbewegung für ihre Demonstration wählte. Trotz jahrelanger Verbote durch das faschistische Regime, ließen sich die sozialistischen und revolutionären Organisationen nicht einschüchtern und marschierten zum Taksim-Platz. Dieser Vorstoß führte jedoch zu massiven Repressionen: Etwa 500 Menschen wurden in Gewahrsam genommen, begleitet von erheblicher Polizeigewalt. In anderen Vierteln Istanbuls wie Kadıköy und Kartal haben 1. Mai-Feiern stattgefunden. Darüberhinaus gab es auch Proteste in Ankara, Izmir, Çanakkale, Antalya, Adana, Antep, Samsun, Eskişehir, Balıkesir und vielen mehr.
Nordkurdistan

Auch in Nordkurdistan strömten die Menschen auf die Straßen und Plätze: es gab Aktionen in Städten wie Wan, Dersim, Amed, Nurhak, Malatya. Beispielsweise in Wan gingen bereits am Vorabend des 1. Mai Tausende unter dem Motto „Brot, Arbeit, Freiheit“ auf die Straße. Im Fokus standen die Folgen der Verarmungskrise, hervorgerufen durch massive Ausbeutung und steigende Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig war die politische Unterdrückung in Nordkurdistan ein zentrales Thema: Demokratisch gewählte kurdische Bürgermeister:innen bleiben inhaftiert, trotz des „Aussöhnungsprozesses“ zwischen dem Staat und der kurdischen national-demokratischen Bewegung.
Rojava
Auch in Rojava fanden in diesem Jahr Kundgebungen zum 1. Mai statt. Die Aktionen standen im Zeichen der Bedrohung der kurdischen Autonomie durch die politisch-islamistische „Übergangsregierung“ der HTS. Trotz der erschwerten Bedingungen zeigten Kommunisten ihren Willen, auch in diesen schwierigen Zeiten die Kämpfe der kurdischen Arbeiter und Werktätigen sichtbar zu machen. In verschiedenen Städten wurden Versammlungen abgehalten, bei denen kämpferische Reden gehalten wurden.
Syrien/Heseke

Philippinen
In Manila demonstrierten Tausende am Malacanang Presidential Place. Die Polizei hatte seitlich Barrikaden errichtet, um ein Abweichen von der genehmigten Route zu verhindern. Unter der Parole „US-Truppen raus sofort“ gab es vor der US-Botschaft Zusammenstöße.
Indien
Bei den Demonstrationen am 1. Mai in Indien standen besonders die Lebensbedingungen der Tages- und Vertragsarbeiter im Vordergrund: Diese sehen sich in vielen Fällen extrem unsicheren Arbeitsverhältnissen und schlechten Löhnen ausgesetzt. In der nordindischen Millionenstadt Srinagar war unter den Protestierenden eine große Anzahl an Frauen, die lautstark mehr Rechte und Sicherheiten für Arbeiterinnen forderten.
Indonesien

Irak

Deutschland
In zahlreichen Städten Deutschlands gingen Arbeiter:innen gegen Krieg, Aufrüstung und den aktuellen Sozialabbau auf die Straße, der gezielt die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse angreift. Dabei spielte besonders die Jugend eine wichtige Rolle: viele Jugend Gruppen beteiligten sich an den Gewerkschaftsdemonstrationen oder organisierte zusätzlich eigene revolutionäre Demonstrationen, auf denen klassenkämpferische Inhalte präsentiert wurden. In Berlin und Hamburg hatten diese Demonstrationen mehr als 10.000 Teilnehmende.
Frankreich/Rennes

Italien
Am 1. Mai traten die drei großen italienischen Gewerkschaften – Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL), Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori (CISL) und Unione Italiana del Lavoro (UIL) – geschlossen auf. Gemeinsam organisieren sie knapp zwölf Millionen Menschen. Im Zentrum ihrer Kundgebungen und Demonstrationen standen Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, Sicherheit und einer Zukunft ohne Krieg, wie die Plattform Collettiva der CGIL berichtete.
Griechenland

In Griechenland riefen zahlreiche Gewerkschaften zum 1. Mai zu einem landesweiten Generalstreik auf, der für 24 Stunden einen Großteil des Verkehrs lahmlegte. In Athen mobilisierten Gewerkschaftsgruppen wie ADEDY und PAM zu Protesten gegen ein „Krisenmanagement“, das auf Kosten der Arbeiter:innen geht. Sie forderten eine Anhebung der Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und Senkung der Mieten im gentrifizierten Athen. Auch die Kämpfe rund um das besetzte Viertel Prosfygikas, das demnächst geräumt werden soll, waren am 1. Mai präsent. In diesem selbstverwalteten Wohnviertel leben rund 400 Menschen aus verschiedenen Ländern und ist ein Ort des politischen Widerstands.
Spanien

Das ist nur eine unvollständige Übersicht, es gab auch in vielen weiteren Ländern der Welt Aktionen, wie in Japan, Südkorea, Chile, Neu-Seeland, Indonesien und vielen mehr. Diese Vielfalt veranschaulicht, dass es überall auf der Welt revolutionäre Entwicklungen gibt und, dass die Arbeiterbewegung sowie die revolutionäre Jugendbewegung sich formiert. Für uns heißt dies, dass wir in der kommenden Zeit noch viel mehr mit revolutionären Organisationen in Kontakt treten und unsere Kämpfe koordinieren müssen.