ÜBER DIE FRAGE DER KRISE

BP (NK-T), 

DeepL Übersetzung

Im Allgemeinen bedeutet eine Krise eine Störung des normalen Verlaufs eines Prozesses. Es treten außergewöhnliche Situationen (Abweichungen von den Regeln) auf. Der Begriff „Krise“ wird in Bedeutungen wie „Wendepunkt“, „gefährliche Entwicklung“ oder „unklare und unvorhersehbare Situation“ verwendet.

Bürgerliche Ökonomen definieren die Wirtschaftskrise ebenfalls in diesem Sinne, nämlich als vorübergehende Unterbrechung des kapitalistischen Konjunkturzyklus und als Abweichung vom normalen Funktionieren des Systems. Ihrer Ansicht nach ist die Krise ein Ausnahmezustand; sie ergibt sich nicht aus dem Wesen des kapitalistischen Systems.

Die marxistische Krisentheorie hingegen stellt diesem Ansatz eine andere Einschätzung gegenüber. Nach dieser Theorie ist die Krise aus Sicht des Kapitalismus keine Anomalie oder vorübergehende Abweichung, sondern ein untrennbarer, struktureller und kontinuierlicher Bestandteil der kapitalistischen Produktionsweise. Die Krise entspringt den inneren Widersprüchen der kapitalistischen Produktionsweise und ist ein untrennbarer Teil des Reproduktionsprozesses der kapitalistischen Produktion. Solange der Kapitalismus also fortbesteht, ist es unvermeidlich, dass Krisen in unterschiedlichen Formen immer wieder auftreten.

Unter einer Krise versteht die marxistische Krisentheorie in erster Linie zyklische Krisen. Zyklische Krisen sind im Wesentlichen Krisen der Überproduktion.

Heute wird der Begriff „Krise“ in linken Kreisen inflationär und im Allgemeinen auch für verschiedene „Krisenzustände“ verwendet, die über die zyklischen Wirtschaftskrisen des Kapitalismus hinausgehen. Die am häufigsten verwendeten Formen sind die „Strukturkrise“ und die „allgemeine Krise“.

Die Theorie der Strukturkrise stützt sich auf die „wissenschaftliche“!! Behauptung, dass der Kapitalismus infolge eines stetigen Rückgangs der Profitrate von selbst zusammenbrechen werde und sich bereits auf dem Weg zum Zusammenbruch befinde. Was diese sehr „marxistisch“ anmutende Theorie übersieht, ist die Tatsache, dass der Rückgang der Profitrate parallel zu einem Anstieg des Gewinnvolumens verläuft. Die These, der Kapitalismus werde ohnehin von selbst zusammenbrechen, hat nichts mit der Realität zu tun. Solange der Kapitalismus nicht durch Umstürze gestürzt wird, besteht er fort.

Der Begriff „strukturelle Krise“ kann eigentlich in dem Sinne verwendet werden, dass der Kapitalismus seit dem Aufkommen des Imperialismus kein System mehr ist, das die Hindernisse für die Entwicklung der Produktivkräfte beseitigt. Dies ist eine Tatsache, die seit dem Eintritt in das Zeitalter des Imperialismus besteht. Die Feststellung einer strukturellen Krise hat im Hinblick auf den aktuellen politischen Kampf keinen Nutzen bei der Beantwortung der konkreten Frage, ob es derzeit weltweit eine Wirtschaftskrise gibt oder ob in diesem oder jenem Land eine Wirtschaftskrise herrscht.

Was die Theorie der „allgemeinen Krise“ betrifft: Die „allgemeine Krise des Kapitalismus“ – im Sinne einer strukturellen Krise – beginnt mit dem Imperialismus und wird mit dessen Ende enden.

Der Begriff „allgemeine Krise“ wurde in der kommunistischen Weltbewegung in diesem Zusammenhang verwendet, um die Existenz einer anderen Welt gegenüber der imperialistischen Welt zu beschreiben; nämlich im Falle sozialistischer Staaten und demokratischer Staaten, die dem Sozialismus zustrebten. Da es heute außerhalb des imperialistischen Weltsystems keinen sozialistischen Staat und keine auf den Sozialismus ausgerichteten Volksdemokratien mehr gibt, hat es nichts mit dem Marxismus zu tun, von einer allgemeinen Krise des Kapitalismus oder des Imperialismus oder von der dritten, fünften oder wie vielen anderen Phasen dieser allgemeinen Krise zu sprechen.

Wenn heute von einer Krise die Rede ist, muss man – anstatt von einer strukturellen Krise oder einer allgemeinen Krise zu sprechen – auf der Grundlage der marxistischen Theorie der zyklischen Wirtschaftskrisen konkret darlegen, ob weltweit und in den einzelnen Ländern eine Wirtschaftskrise vorliegt und in welcher Phase sich diese Krise befindet.

Börsen und Börsenhändler → Finanzkrise

Wirtschaftskrisen sind Krisen der Überproduktion. Es gibt heute auch Finanzkrisen im Bereich des spekulativen Kapitals, das mittlerweile in nicht zu unterschätzendem Maße von der Produktion abgekoppelt ist. Finanzkrisen nehmen in letzter Zeit zunehmend zu und haben verheerende Auswirkungen. Sie folgen keinem bestimmten Zyklus, wie es bei zyklischen Produktionskrisen der Fall ist. Meistens sind sie psychologischer Natur. Wenn beispielsweise Großinvestoren beginnen, ihre Wertpapiere in großem Umfang zu verkaufen, bricht Panik aus. Der Wert der betreffenden Wertpapiere sinkt schlagartig … Börsenmakler lösen solche Krisen in vielen Fällen künstlich aus. Sie bringen ihre großen Aktienpakete auf den Markt; daraufhin verkaufen auch andere in Panik, woraufhin diese Börsenmakler dieselben Aktien zu einem viel günstigeren Preis zurückkaufen.

Es gibt eine große Masse an Mehrwert, die nicht in die Produktion investiert wird. Dieses überschüssige Kapital wird in den Finanzmarkt investiert, um Zinserträge zu erzielen. So entsteht ein Kreislauf der Finanzwirtschaft, der von den Zinsen aus dem verliehenen Kapital lebt. Dieses System funktioniert, solange die Besitzer des Geldkapitals bzw. des Finanzkapitals davon profitieren. Wenn das Vertrauen schwindet und die Kredite zurückgefordert werden, bricht es zusammen.

Dieses Spiel geht so lange weiter, wie die Kreditgeber ihre Kredite nicht alle gleichzeitig zurückfordern. Die Grenze des investierten Geldkapitals wird durch die in der Realwirtschaft erzielte durchschnittliche Gewinnrate gebildet. Letztendlich beziehen alle Finanzkapitalisten und Spekulanten ihre Zinserträge aus den Gewinnen der Realwirtschaft. Die Gewinne im Finanzsektor wachsen jedoch durch einen Schneeballeffekt immer weiter an und münden schließlich mit dem Platzen der Spekulationsblasen in eine Krise.

Ausgangspunkt von Finanzkrisen sind die Börsen. Börsen entstanden ursprünglich als Rohstoffbörsen. Später kamen Aktienbörsen hinzu, die Dividenden an die Aktionäre ausschütten. An den Börsen werden Aktien gekauft und verkauft.

Die Nachfrage nach Aktien, die höhere Dividenden versprechen und am stärksten von der durchschnittlichen Gewinnmarge abweichen, steigt, und spekulatives Kapital, das nicht in die Produktion fließt, strömt in diese Aktien. Wenn die für das nächste Jahr erwartete Dividende nicht erzielt werden kann, kommt es zu einer Flucht aus diesen Aktien, zu Veräußerungen und Verkäufen. Auf diese Weise schwanken die Aktienkurse ständig.

Es gibt auch Börsen, an denen auf Kursentwicklungen gewettet wird. Manche Unternehmen beschäftigen ganze Heerscharen von Analysten, um diese Wetten zu gewinnen. Wie bei jeder Spekulation liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit bei fünfzig zu fünfzig Prozent. Bei solchen Spekulationen können innerhalb kürzester Zeit sehr hohe Gewinne erzielt werden, aber es können auch sehr hohe Verluste entstehen.

Fazit

Heute gibt es innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung verschiedene Missverständnisse und Begriffsverwirrungen hinsichtlich der Krise des Kapitalismus. Aus marxistischer Sicht ist eine Wirtschaftskrise eine Überproduktionskrise, die im Rahmen des zyklischen Verlaufs der kapitalistischen Produktion entsteht. Daher bedarf es eines konkreten Maßstabs, um den Beginn einer Wirtschaftskrise zu bestimmen. Ein Rückgang der Wachstumsrate unter null in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen ist eines der grundlegenden Kriterien, die den Beginn einer neuen Wirtschaftskrisephase anzeigen. Darüber hinaus muss konkret untersucht werden, in welcher Phase sich die Krise befindet, wie tief sie sich verschärft hat und welche Folgen sie nach sich zieht.

In diesem Zusammenhang muss insbesondere die Unterscheidung zwischen der Krise des Kapitalismus und der Verarmung hervorgehoben werden. Mit der Entwicklung des Kapitalismus vertiefen sich auch die relative und manchmal absolute Verarmung der Arbeiterklasse und der arbeitenden Massen sowie die Ausbeutung und die soziale Ungleichheit. Armut ist ein Spiegelbild der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer Ausbeutungsverhältnisse. Die Tatsache, dass es in einer kapitalistischen Gesellschaft Armut gibt, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich der Kapitalismus in einer Wirtschaftskrise befindet. Entwicklung im Kapitalismus bedeutet im Wesentlichen die Entwicklung der Bourgeoisie, und Bereicherung ist die Bereicherung der Bourgeoisie.

Der Kapitalismus beutet die Arbeiterklasse auch außerhalb von Krisenzeiten aus, erzeugt Armut und vergrößert die Kluft zwischen Reichtum und Elend. In Krisenzeiten verschärft sich diese Situation noch weiter: Die Produktion schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt, der Druck auf die Löhne nimmt zu und das Kapital strebt eine Umstrukturierung an, die mit noch größeren Zerstörungen einhergeht. Während Armut eine ständige Folge des Kapitalismus ist, handelt es sich bei der Wirtschaftskrise um ein zyklisches Phänomen, das in bestimmten Phasen des kapitalistischen Reproduktionsprozesses auftritt.

Wenn wir heute von der „Krise des Kapitalismus“ sprechen, müssen wir uns bewusst sein, dass diese Feststellung für den aktuellen politischen Kampf kaum von Bedeutung ist. Handelt es sich bei der besagten Krise um eine Wirtschaftskrise, müssen wir uns auf konkrete Wirtschaftsdaten stützen; wir müssen wissenschaftlich nachweisen, ob eine neue zyklische Krise begonnen hat oder in welcher Phase ihres Zyklus wir uns befinden. Nur so ist es möglich, eine richtige politische Linie zu verfolgen.

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Unsere Kritik:

Auf dieser Grundlage möchten wir kurz auf einige Fragen eingehen, die sich in Bezug auf Einschätzung der heutigen Weltlage und “Krisen” ergeben. Dies entspringt aus der Notwendigkeit, dass zu dieser Frage auch innerhalb der Icor Organisationen Widersprüche gibt. So haben wir u. a. aus prinzipiellen Vorbehalten einigen Icor Resolutionen nicht zugestimmt.

Die Auffassung, dass sich das weltimperialistische Systemheute konkret in einer tiefen Krise befindet, istwas die ökonomische Krise betrifft,falsch. Sie ist hinsichtlich der marxistischen zyklischen Krisentheorie falsch. Global gesehen wächst die Weltwirtschaft, auch wenn dieser globale Wirtschaftswachstum momentan nicht hoch, sondern moderat ist.Und sie ist auch im Hinblick auf die wirtschaftlich-politische Lage einzelner Länder falsch. Ja, der Konkurenzkampf der imperialistischen Grossmächte um Hegemonie und Neuaufteilung der Märkte, Rohstoffe und Handelswege verschärft sich. Aber viele Länder z.B. China, USA, Indien, die Türkei usw. wachsen wirtschaftlich weiter (auch wenn es einen Rückgang beim Tempo und bei den Wachstumsraten gibt), sie befinden sich nicht in einerökonomischen Krise. Von politischer Instabilität/Krise kann heute weder in den USA noch in Europa, China oder Russland die Rede sein.Die Bourgeiosie ist imstande ihre Herrschaft über das Proletariat und werktätige Bevölkerung durchzusetzen. Die „Regierungskrisen“, an deren Ende sich eine Regierung durch eine andere abgelöst wird, bedeuten nicht „politische Krisen“ im marxistischem Sinn. Heutige Regierungskrisen bedrohen nicht die Herrschaft der Bourgeiosie.

Wir berufen uns nicht auf die von der 4. Icor-Weltkonferenz (2021) für die konkrete Situation vorgenommene Einschätzung „Anzeichen einer gesamtgesellschaftlichen Krise des imperialistischen Weltsystems“, sondern auf den Gründungsbeschluss der ICOR zu diesem Thema; in dieser Resolution wird der Punkt wesentlich treffender und allgemeiner dargelegt:

“Der Imperialismus mit seinem System des Neokolonialismus existiert nur noch in einer sich entfaltenden Krisenhaftigkeit, die die Existenz der Menschheit dramatisch in Frage stellt. Sie zeigt sich in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008, in den Strukturkrisen im kapitalistischen Produktions- und Reproduktionssystem, den Verschuldungskrisen, der globalen Umweltkrise, der zunehmenden Familienlosigkeit des Proletariats und der breiten Massen, den politischen Krisen, aber auch in der wachsenden internationalen Kriegsgefahr, der zunehmenden imperialistischen Aggressionen und in der allgemeinen Tendenz des Imperialismus zu Reaktion und Faschismus.” (Gründungsresolution der Icor, 2010)

Der Imperialismus ist eben “parasitärer” “sterbender Kapitalismus”!Das imperialistische Weltsystem kann keine der Menschheitsprobleme lösen. Er vernichtet seit seiner Existenz die Lebensgrundlagen auf dieser Welt. In diesem allgemeinen Sinne befindet sich das imperialistische Weltsystem seit dem Anbeginn „in gesamtgeselschaftlicher Krise.“

Um den Imperialismus anzuprangern, müssen wir aber keine “Krisen” im Weltmasstab herbei reden, solange dies nicht nachweislich vorhanden ist. Kapitalistische Wirtschaft ist chaotisch, daher gibt es immer wirtschaftliche Schwierigkeiten, Irritationen etc. Aber nicht jede zeitweilige Störung ist gleich eine ökonomische Krise des Kapitalismus.

Was ist mit neuen Technologien wie z.B. Künstliche Intelligenz? Führen sie nicht zu “neuen Strukturkrisen”?

Mit jeder neuen technischen Entwicklung, die in der Produktion eingeführt wird,fällt die Profitrate! (K. Marx: das„Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“). Auch das gibt es seit Beginn des Kapitalismus. Profitrate fällt, Profitvolumen und Profitmasse wächst ! Kapitalismus entwickelt sich weiter! Das gleiche wird auch mit Einführung der neuen KI – Technologien passieren. Siekannmit einer wirtschaftlichen Stagnation oder sogar Krise einhergehen,muss aber nicht! Konkret heuteist die letzte zyklische Überproduktionskrise der Welt- und Finanzwirtschaft (2008) beendet. Solange sich die nächste zyklische Krise nicht abzeichnet, sollten wir in unseren Erklärungen auch keine “Krise des Kapitalismus” aufführen.

Ja, die Einführung der neuen KI-Technologien vernichten Arbeitsplätze und führen zu Massenarbeitslosigkeit. Die Verarmung nimmt zu etc. Das ist aber nicht die Krise des Kapitalismus! Um diese imperialistisch-kapitalistische Ausbeutung anzprangern brauchen wir nicht die “Krisentheorie des Marxismus” zu verbiegen.

Was bedeutet denn “strukturelle Krise”, ausser das der Kapitalismus, in ihrem Struktur auf Ausbeutug des arbeitenden Menschen, und vernichtenden Ausbeutung der Natur aus ist?Das ist der Normalzustand. Es ist der Kapitalismus selbst verdammt. Den Normalzustand als Krise zu bezeichnen, führt letztendlich zur Beschönigung dieses Systems.

Kapitalismus treibt die Welt in die Barbarei, wenn er nicht durch Revolutionen aufgehalten wird.

Übersehen wir die Massenkämpfe und ihre Entwicklung, wenn wir aufführen dass der subjektive Faktor nicht mit der “objektiven Krise des imperialistischen Weltsystems” mithält?

Wir wissen über die existierende Kämpfe der unterdrückten Massen weltweit, verfolgen mit revolutionärer Aufmerksamkeit ihre Entwicklung und solidarisieren uns mit ihnen. Wir stellen uns aber bewusst gegen die Übertreibung der wirklichen Situation der Klassenkämpfe in einzelnen Ländern und im Weltmassstab. Fakt ist: dass der subjektive Faktor nicht mit den objektiven Forderungen an die Klassenbewegung mithält. Es gibt tausende Gründe, die zum Aufstand fordern, aber der Klassenkampf gegen das kapitalistische System befindet sich -wenn überhaupt- allgemein in deffensiven Kämpfen. Offensive Kämpfe sind absolute Ausnahme. Das erfordert von den Kommunisten viel mehr inhaltlich richtige Arbeit als je zuvor.

Wir fragen ob das System sich aktuell in Krise befindet, ob sie bedroht ist. Und nicht ob die aktuelle Regierung in diesem oder jenem Land stabil oder instabil ist.

In diesem Sinne: Wir brauchen nicht ständig von “Krisen” zu reden um uns und andere für die revolutionäre Arbeit zu motivieren. Revolutionäre, kommunistische Arbeit ist auch ohne unnötige und falsche “Krisengerede” machbar.