Wir sind alle YPJ! – Selbstverteidigung ist unser natürliches Recht!

ICOR Frauenkoordination, 

Seit April dieses Jahres läuft eine internationale Solidaritätskampagne zur Unterstützung der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ. Seit mehr als dreizehn Jahren steht die YPJ für den Widerstand von Frauen gegen patriarchale Gewalt und Unterdrückung. Sie ist zu einem Symbol dafür geworden, dass Frauen nicht darauf warten müssen, dass andere sie schützen, sondern das Recht haben, sich selbst zu verteidigen und ihr gesellschaftliches Leben selbst zu bestimmen. Der Kampf der kurdischen Frauen wurde zu einem beispielhaften Leuchtfeuer für Frauen auf der ganzen Welt. In schwierigen Zeiten haben sie uns Hoffnung gegeben und jetzt ist es an der Zeit sie zu unterstützen!

Mit dem Abkommen vom 29. Januar 2026 zwischen der syrischen Regierung und den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) ist eine neue Phase in der Entwicklung Syriens und Rojavas eingeleitet worden. In den Verhandlungen über die Zukunft eines „neuen Syriens“ darf eine zentrale Frage jedoch nicht zur Nebensache werden: die politische, gesellschaftliche und militärische Beteiligung von Frauen. Wer von einem demokratischen und friedlichen Syrien spricht, kann die Frauen, die seit Jahren für genau diese Perspektive kämpfen, nicht aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben verdrängen.

Deshalb ist klar: Eine Auflösung der YPJ steht nicht zur Verhandlung.

Die YPJ ist nicht bloß eine militärische Struktur. Sie steht für Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und den Schutz von Frauen vor Gewalt und Unterdrückung. Die Beteiligung der YPJ an den syrischen Streitkräften ist daher von grundlegender Bedeutung. Im Rahmen der Rojava-Revolution wurde eine Armee aufgebaut, die nicht auf Unterdrückung, sondern auf Frieden, Sicherheit und gesellschaftlicher Gleichheit basiert; diese Errungenschaft darf in einem „neuen Syrien“ nicht verloren gehen.

Gerade angesichts der weiterhin bestehenden Angriffe und der zunehmenden Bedrohung von Frauen ist die Frage der Selbstverteidigung nicht erledigt. Im Gegenteil: Wenn die bisherigen Errungenschaften der Frauen in Rojava erhalten bleiben sollen, muss ihre institutionelle und rechtliche Absicherung garantiert werden. Die Existenz der YPJ muss deshalb institutionell anerkannt und geschützt werden.

Das in Syriens regierende HTS-Regime möchte natürlich Frauen aus allen Lebensbereichen verdrängen, insbesondere aus dem militärischen. Aber die kurdischen Frauen haben gezeigt, dass sie sich ihren Platz verdienen und Seite an Seite mit den Männern kämpfen. Wer ein „neues Syrien“ will kann im Bereich der Frauenbefreiung nicht 3 Schritte in die Vergangenheit gehen. Demokratie, Frieden und Gleichberechtigung sind ohne die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen nicht möglich.

Deshalb stellt die internationale Solidaritätskampagne folgende Forderungen auf:

1. Anerkennung der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) durch das syrische Verteidigungsministerium.

2. Erhaltung der Struktur der Frauenverteidigungseinheiten in den Regionen Rojavas.

3. Schutz und Festigung der Errungenschaften der Frauen in Rojava

4. Freilassung der Inhaftierten, Rückführung der Leichen der Märtyrerinnen und Aufklärung über das Schicksal der vermissten Frauen

5. Unterstützung der Integration der Frauenverteidigungseinheiten durch relevante internationale Akteure

6. Stärkung der Beteiligung von Frauen in Militär- und Sicherheitsinstitutionen

Wir als ICOR Frauen unterstützen die internationale Kampagne und ihre Forderungen. Wir sagen: Selbstverteidigung ist ein natürliches Recht. Frauen müssen das Recht haben, ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Gesellschaft selbst zu verteidigen.

Jin, Jiyan, Azadî