Bericht über die Veranstaltung der ICOR-Frauen in Paris

Women Confront Imperialism

ICOR Women, 
Women Confront Imperialism

Unter dem Titel „Women Confront Imperialism“ brachte die auf der zweiten ICOR-Frauenkonferenz in Nepal ins Leben gerufene Initiative für eine Frauenkoordination junge und ältere Frauen sowie Menschen verschiedener politischer Organisationen aus unterschiedlichen Ländern zusammen.

Ziel der Veranstaltung war es, das frauenpolitische Profil der ICOR zu stärken, den Austausch zwischen Frauen und Organisationen zu fördern und einen Beitrag zur Entfaltung des revolutionären Potenzials der Frauenbewegung zu leisten. Das ICOR-Frauentreffen bildete den Auftakt für Veranstaltungen dieser Art.

An der Veranstaltung, die im ACTIT, einem Verein der Konföderation unterdrückter Migrant:innen in Europa (AVEG-KON), stattfand, nahmen fast 40 Frauen aus Frankreich, Deutschland, Kuba, Peru, der Türkei und Kurdistan teil. Auch Frauen aus Palästina, Tunesien und Kamerun beteiligten sich online.

In der Tradition der ICOR wurde die Veranstaltung mit einem kulturellen Beitrag eröffnet, dieses Mal vom Anka-Frauenchor.

Im Namen der ICOR-Frauenkoordination wurde eine Eröffnungsrede gehalten, in der betont wurde, dass der Imperialismus Frauen zu Armut, doppelter Ausbeutung, Hunger und Gewalt verdamme. Unter Hinweis auf den Epstein-Fall wurde hervorgehoben, dass das imperialistisch-kapitalistische System für die arbeitenden Menschen nicht nur wirtschaftliche und soziale Zerstörung hervorbringe, sondern Frauen und Kinder zugleich zum Ziel brutaler sexueller Gewalt mache und zu einer allgemeinen Verrohung der Gesellschaft führe.

„Entgegen der patriarchalischen bürgerlichen Geschichtsschreibung waren es jene mutigen Frauen, die das Rad der Geschichte in Richtung der Befreiung der Frauen vorantrieben: Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Nadeschda Krupskaja, Inessa Armand, Alexandra Kollontai, die sozialistische Frauenbewegung und alle mutigen Frauen.“

In der Rede wurden die kämpfenden Frauen von Palästina, Kurdistan bis Bolivien gegrüßt.

An die Frauen wurde folgender Aufruf gerichtet:

„Lasst uns gemeinsam lernen und den revolutionären Kampf gegen den Imperialismus für die Befreiung der Frauen und der gesamten Menschheit ausweiten.“

Grüße aus Gaza

Die online zugeschaltete Vertreterin der palästinensichen Frauen und aktive Mitstreiterin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, Mariam Abu Daqqa, erklärte, dass die Bevölkerung in Gaza weiterhin unter der Belagerung durch das zionistische Israel lebe. Sie machte darauf aufmerksam, dass sexuelle Gewalt in israelischen Gefängnissen systematisch gegen palästinensische Gefangene eingesetzt werde, und rief zur Solidarität mit dem palästinensischen Volk auf. Mehr als 9.000 Palästinenserinnen und Palästinenser befänden sich in israelischen Gefängnissen, darunter 190 Frauen, von denen drei schwanger seien.

Mariam Abu Daqqa erklärte:

„Die gesamte Menschheit muss Teil des Kampfes gegen diese kolonialistischen Angriffe sein, das ist notwendig, um diesen Völkermord zu stoppen. Gegen Imperialismus und Zionismus gibt es nur einen Weg: unseren Kampf zu vereinen. Das palästinensische Volk kämpft für die Verteidigung seines Landes. Wir grüßen alle, die kämpfen und Widerstand gegen den Imperialismus leisten.“

An der Konferenz nahm ebenfalls online aus Gaza Suhair Khader, Koordinatorin der Palästinensischen Frauen-Komitees, teil.

Sie erklärte, dass sich die palästinensischen Frauen bewusst und aus politischer Überzeugung entschieden hätten, in Gaza zu bleiben und auf diese Weise Widerstand gegen den Kolonialismus zu leisten. Sie warnte davor, dass eine Frauenbewegung, die gegenüber dem Kolonialismus die Augen verschließe, sich selbst schwäche.

„Der Kampf der Frauen muss auf antiimperialistischer Grundlage auch gegen den Kolonialismus gerichtet sein“, sagte sie.

Khader betonte, dass die palästinensischen Frauen solidarisch mit den Frauen der ganzen Welt seien:

„Die Einheit der Frauen ist von großer Bedeutung. Lasst uns die Instrumente des gemeinsamen Kampfes weiterentwickeln. Lasst uns Kampagnen organisieren, die internationale Wirkung entfalten. Stellen wir uns eine sozialistische Zukunft vor und kämpfen wir dafür. Wenn wir eine neue Welt aufbauen wollen, dann werden Frauen ein entscheidender Teil des Aufbaus sein.“

Auch in der Rede im Namen des Frauenkomitees Latifa Tamalaah der Patriotischen Demokratischen Sozialistischen Partei (PPDS) aus Tunesien wurde betont, dass der Kampf der Frauen Teil des Kampfes der gesamten Arbeiterklasse und des Kampfes gegen Rassismus sein müsse.

Es hieß:

„Die Freiheit der Frauen in Palästina und Kurdistan ist Teil des Befreiungskampfes dieser Länder. Wenn wir unsere Kräfte vereinen und gemeinsam kämpfen, werden wir siegen.“

Die Europa-Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz stellte die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen vor und rief zur Vorbereitung der nächsten Europa-Konferenz der Basisfrauen im Januar 2027 in Paris sowie der nächsten Weltkonferenz im September 2027 in Lateinamerika auf.

Auf der Veranstaltung wurde zudem eine Grußbotschaft der ICOR-Hauptkoordinatorin Monika Gärtner-Engel verlesen, in der es hieß:

„Das Frauenbewusstsein ist auf breiter Front erwacht und stärkt sich in der Auseinandersetzung mit faschistischen Kräften und Regierungen, im Kampf gegen imperialistische Kriege, Umweltzerstörung und vor allem auch verschärfte Ausbeutung, Armut und sexistische Gewalt gegen Frauen.“

Monika Gärtner-Engel erklärte zudem, dass die Journalistin Eva Maria Michelmann durch den gemeinsamen Kampf ihre Freiheit wiedererlangt habe. „Jetzt geht der Kampf für den Journalisten Ahmed Polat weiter“, erklärte sie. Sie betonte außerdem, dass reaktionäre Faschisten Frauen auf die Rolle der „Mutter“ und „Beschützerin der Familie“ festlegen wollten.

„Gegen jede verschärfte Frauenunterdrückung entwickeln wir eine breite Bündnisarbeit quer durch alle Schattierungen der Frauenbewegung. Weltanschaulich setzen wir uns aber auch auseinander mit kleinbürgerlich-feministischen Kräften, die sich durch den Schwerpunkt des Geschlechterkampfes auch von den revolutionären Bewegungen distanzieren und isolieren. Die ICOR ist eine revolutionäre Weltorganisation. Wir ermutigen die Frauen, für die revolutionäre Perspektive des Sozialismus als Perspektive der Frauenbefreiung einzutreten und sich dementsprechend zu organisieren“, hieß es weiter in der Rede der Hauptkoordinatorin.

„Verleihen wir jedem antiimperialistischen Kampf einen frauenbefreienden Charakter“

In einer Rede der Zeitschrift Sozialistische Frau wurde auf die vielfältigen Krisen des kapitalistischen Systems hingewiesen:

„Diese Krise ist eine Existenzkrise. Für die Bourgeoisie wird es immer schwieriger, auch nur vorübergehende Lösungen zu finden und gesellschaftliche Zustimmung zu erzeugen. Denn sie kann den Menschen weder soziale Sicherheit noch Frieden noch eine lebenswerte Zukunft versprechen.“

Unter Hinweis auf den zunehmenden Faschismus und religiösen Reaktionismus hieß es:

„Auch diese Erscheinungen sind unterschiedliche Ausdrucksformen derselben Systemkrise. Der historische Bankrott der bürgerlichen Ordnung rückt immer näher.

Im Zentrum dieser Krise steht auch der Widerspruch der Geschlechterverhältnisse. Genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Wie können revolutionäre Organisationen den Kampf für die Befreiung der Frauen und den Kampf gegen den Imperialismus stärken? Unsere Antwort ist eindeutig: Die Befreiung vom Imperialismus ist nur möglich, wenn der Kampf gegen Ausbeutung und jede Form der Unterdrückung als Ganzes geführt wird und im Kampf für den Sozialismus erfolgreich ist. Das Programm der Frauenrevolution ist ein untrennbarer Bestandteil jeder gesellschaftlichen Revolution und trägt einen konsequent antiimperialistischen Charakter. Solange kapitalistische und imperialistische Herrschaftsverhältnisse bestehen, kann die Befreiung der Frauen nicht verwirklicht werden. Ebenso kann keine gesellschaftliche Revolution ihr wirklich befreiendes Potenzial entfalten, wenn sie die Frauenbefreiung nicht mit in den Mittelpunkt ihres Programms stellt. Deshalb ist es Aufgabe revolutionärer Organisationen und Parteien, jedem antiimperialistischen Kampf einen frauenbefreienden Charakter zu verleihen.“

Auf Einladung der ICOR-Frauenkoordination, die die Solidaritätserklärung mit Kuba geteilt hatte, nahm die Assistentin des kubanischen Botschafters in Frankreich an der Veranstaltung teil und begrüßte den Widerstand des palästinensischen Volkes.

Sie wies auf die verheerenden Folgen der Politik des US-Imperialismus gegen das kubanische Volk hin:

„Die Stromausfälle in Kuba haben beispielsweise ein dramatisches Ausmaß erreicht. Das beeinträchtigt das gesamte Leben. Die gesamte technologische Infrastruktur ist Ziel der Angriffe. Es gibt gravierende Medikamentenengpässe. In der Onkologie und Pathologie fehlt der Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten. Deshalb sterben Kinder. Wir rufen alle unsere Freundinnen und Freunde dazu auf, sich dieser imperialistischen Aggression entgegenzustellen.“

Auch die französische ICOR-Mitgliedspartei Marxistisch-Leninistische Proletarische Union (UPML) nahm an der ICOR-Frauenveranstaltung teil. Die Sprecherin, die zugleich eine aktive Kraft in der Arbeit der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen ist, hielt ebenfalls eine Rede, in der sie die Kraft der Frauen und die Notwendigkeit des Kampfes gegen die imperialistischen Aggressionen betonte.

Michele Abe von der UPC-Manidem, die online aus Kamerun teilnahm, begrüßte die Konferenz.

In einer gemeinsamen Diskussionsrunde wurden zahlreiche Fragen zur Arbeit der ICOR gestellt. Vor allem junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die ICOR noch nicht kannten, interessierten sich für ihre Gesamtpraxis. Dabei wurde insbesondere auf die Al-Awda-Solidaritätskampagne hingewiesen.

Es wurde betont, dass die ICOR eine Koordinierung sei, die das Zusammenkommen trotz unterschiedlicher Positionen auf Grundlage gemeinsamer Prinzipien im Kampf gegen Imperialismus für den Sozialismus ermögliche.

Die Veranstaltung wurde mit einem Solidaritätsvideo für die Betroffenen des Erdbebens in Venezuela beendet.